Von Thomas Schulz
Nach einem harten Stück Arbeit steht Borussia Mönchengladbach im Achtelfinale des DFB-Pokals. Das Team von Trainer Lucien Favre besiegte gestern Abend vor 10 000 Zuschauern im ausverkauften Albstadion den Drittligisten 1. FC Heidenheim nach torlosem Spiel mit 4:3 im Elfmeterschießen. Filip Daems, Dante, Havard Nordtveit und Martin Stranzl trafen vom Punkt, der Held aber war ein anderer ...
Hartes Stück Arbeit für die Borussia in Heidenheim. Im Bild muss sich Moenchengladbachs Roman Neustaedter (l.) gegen Heidenheims David Schittenhelm behaupten.
Heidenheim. Der Spieler des Spiels war Marc-André ter Stegen. Der Torhüter war nicht nur über 120 Minuten hoch konzentriert und fehlerfrei, sondern blieb auch im Elfmeterschießen trotz der Pfiffe nervenstark. Erst hielt er gegen den ehemaligen Gladbacher Andreas Spann, dann parierte er nach dem Treffer von Martin Stranzl auch den Versuch von Florian Tausendpfund mit einer artistischen Fußabwehr. Borussia war eine Runde weiter – um exakt 21.36 Uhr.
Der Aufreger des Spiels
In der 79. Minute liefen bei einem Konter gleich drei Heidenheimer auf Dante und ter Stegen zu. Sirigu hätte die Hausherren dann Augenblicke später in Führung bringen können, doch er scheiterte an... natürlich Marc-André ter Stegen.
Borussias Trainer Lucien Favre hatte sein Team gegenüber dem 0:1 von Hoffenheim auf zwei Positionen verändert. Für den Norweger Havard Nordtveit kam im defensiven Mittelfeld Tobias Marx und auch Rechtsverteidiger Tony Jantschke musste auf der Ersatzbank Platz nehmen. Auf seine Position rückte Martin Stranzl, dessen Part in der Innenverteidigung von Roel Brouwers übernommen wurde.
Die Begegnung an der Brenz begann zwar schwungvoll, entwickelte allerdings keinen echten Pokalcharakter, was daran lag, dass die Heidenheimer zu den taktisch und technisch versierteren Mannschaften der Dritten Liga gehören. Das Team von Trainer Frank Schmidt versucht die Dinge auf dem Platz eher spielerisch als über den Kampf zu lösen, steht daher nicht von ungefähr auf dem dritten Platz und darf sich durchaus berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg machen. Auf der anderen Seite war Borussia durch das 1:2 von Werder Bremen an gleicher Stelle in der ersten Runde gewarnt und ging das Spiel daher nicht mit offenem Visier an. So blieben Chancen zunächst Mangelware.
Erst in der 25. Minute, als Neustädter aus rund zwanzig Metern abzog und Reus den abgewehrten Ball im Nachschuss an den Außenpfosten setzte, geriet das Tor von Frank Lehmann erstmals in Gefahr. Danach kamen die Gastgeber durch den Ex-Gladbacher Andreas Spann (33.) sowie Richard Weil (36.) zu zwei Möglichkeiten. Zwei Minuten später vergab dann Marco Reus nach Zuspiel von Patrick Herrmann die mögliche Führung für die Gäste vom Niederrhein.
Die kamen dann wesentlich entschlossener aus der Kabine. Reus (55.) und Marx (59.) vergaben aber und auch Dante scheiterte mit einem Kopfball im Anschluss an eine Ecke in der 68. Minute. Als es im Albstadion immer kälter wurde und der Glühwein-Verkauf deutlich anzog, erwärmte der eingewechselte Heidenfelder die heimischen Fans unter den 10 000 Besuchern mit einem Seitfallzieher, der allerdings über das Tor von Marc-André ter Stegen ging (71.).
Lehmann – Sirigu (ab 120. Krebs), Göhlert, Tausendpfund, Feistle – Schittenhelm – Essig (ab 66. Bagceci), Weil, Sauter, Spann – Frommer (ab 64. Heidenfelder)
ter Stegen – Stranzl, Brouwers, Dante, Daems – Marx (ab 62. Nordtveit), Neustädter – Herrmann (ab 106. Otsu), Arango – Hanke (ab 91. Leckie), Reus
Schiedsrichter: Markus Wingenbach (Diez)
Zuschauer: 10 000 (ausverkauft)
Tore: keine
Gelbe Karten: Schittenhelm (Heidenheim/43.); Sirigu (Heidenheim/47.), Dante (MG/69.); Spann (Heidenheim/104.)
Elfmeterschießen (Heidenheim beginnt): Sauter – 1:0, Daems – 1:1, Krebs – 2:1, Dante – 2:2, Spann – ter Stegen hält, Nordtveit – 2:3, Schittenhelm – 3:3, Stranzl – 3:4, Tausendpfund – ter Stegen hält
Frank Schmidt (1.FC Heidenheim): „Wir haben uns trotz nachlassender Kräfte ins Elfmeterschießen gekämpft. Da stehen die Chancen 50:50, aber leider auch für den Gegner. Und die Gladbacher haben ihre Versuche dann auch wirklich eiskalt verwandelt.“
Lucien Favre (Borussia Mönchengladbach): „Wir wussten, dass es schwer werden würde. Wir wollten daher mit viel Geduld agieren, haben dabei aber zu langsam gespielt und häufig falsche Lösungen gewählt. Dennoch war der Sieg nicht unverdient, weil wir viel mehr Torchancen hatten.“
In der 77. Minute hatten die mitgereisten Gladbach-Fans den Torschrei schon auf den Lippen. Nach einem bösen Fehler von Schittenhelm bediente Arango Reus, doch statt den Ball ins kurze Eck zu schieben, wollte der 22-Jährige Torhüter Lehmann noch umspielen und vergab dadurch. Es war der Startschuss zu turbulenten fünf Minuten. Erst parierte Lehmann einen Kopfball von Stranzl (79.), im direkten Gegenzug rettete ter Stegen in glänzender Manier gegen den frei vor ihm auftauchenden Sirigu und dann zog Hanke knapp am rechten Pfosten des Heidenheimer Tores vorbei.
So ging es doch in die Verlängerung.Für die brachte Favre den Australier Matthew Leckie anstelle von Hanke. Die einzige Chance aber hatte erneut Marco Reus, der in der 102. Minute volley über das Tor zog. So musste das Elfmeterschießen schließlich die Entscheidung bringen ...




