Archäologe Michael Kaiser entdeckt Graben aus dem Jahr 30 vor Christus. Römisches Militär war früher am Rhein als angenommen.

Die Ausgrabungen auf dem Grundstück hinter der Kölner Straße/Dunantstraße. Rechts: Michael Kaiser mit einigen Funden aus dem ältesten Römergraben.
Die Ausgrabungen auf dem Grundstück hinter der Kölner Straße/Dunantstraße. Rechts: Michael Kaiser mit einigen Funden aus dem ältesten Römergraben.

Die Ausgrabungen auf dem Grundstück hinter der Kölner Straße/Dunantstraße. Rechts: Michael Kaiser mit einigen Funden aus dem ältesten Römergraben.

Die Ausgrabungen auf dem Grundstück hinter der Kölner Straße/Dunantstraße. Rechts: Michael Kaiser mit einigen Funden aus dem ältesten Römergraben.

Stadt/Stefan Büntig, Bild 1 von 2

Die Ausgrabungen auf dem Grundstück hinter der Kölner Straße/Dunantstraße. Rechts: Michael Kaiser mit einigen Funden aus dem ältesten Römergraben.

Neuss. Das älteste Römerlager in Neuss? Lager A, gegründet 16 vor Christus im heutigen Gnadental, etwas westlich der jüngeren großen Lager. Das Datum ist bekannt und wird seit langem etwas kühn als Gründungsjahr der Stadt festgesetzt – so ließ sich 1984 groß das 2000-jährige Bestehen feiern. Jetzt aber steht fest: Es gab ein noch älteres Römerlager aus dem Jahr 30/29 v. Chr..

Die Geschichte der Stadt muss deshalb nicht umgeschrieben werden. Das Vorgehen der Römer an der Rheingrenze aber erscheint nun doch in einem anderen Licht.

Michael Kaiser ist derjenige, der auf den ältesten aller Römergraben in Neuss gestoßen ist. Der Archäologe arbeitet seit fast 30 Jahren in der Stadtverwaltung. Er hat auf dem heutigen Golfplatz Überreste des jüngsten Römerlagers aus dem 4. bis 6. Jahrhundert entdeckt – und nun das älteste.

„Nach fünf Minuten hab ich’s kapiert.“

Michael Kaiser, Archäologe

Ausgangspunkt war ein Bebauungsplan. An der Kölner und der Dunantstraße soll gebaut werden. Weil dort der Wallgraben des Lagers A hätte liegen müssen, wollte das Team um Michael Kaiser den Verlauf nachprüfen. „Wir hatten nur einen kleinen Bereich mit Brombeerbüschen, auf dem wir graben konnten. Drumherum stehen Bäume“, sagt Kaiser.

Der Graben war schnell gefunden. Doch dann die Überraschung: In spitzem Winkel zum „A-Graben“ erstreckten sich die Überreste eines anderen Grabens. „Ich habe fünf Minuten gebraucht, dann habe ich’s kapiert: Dieser Graben ist nochmal deutlich älter als der des Lagers A“, sagt Kaiser. Der „Graben Null“ war bei Anlage des Walls um das Römerlager A bereits völlig überschwemmt.

Mühsam gruben sich die Archäologen in die Tiefe. Auf einer Länge von 16 Metern war der 3,50 Meter breite Graben nachzuweisen. Befestigt war er damals mit ausgestochenen Grassoden. Die Archäologen fanden ein Gemisch von Sand und Holzkohle, sie holten Keramik und Eisennägel, Tierknochen und Scharnierfibeln zum Zusammenhalt schwerer Stoffumhänge aus dem Boden.

Das alles liegt nun sorgsam etikettiert im Büro von Michael Kaiser im Alten Rathaus Norf. Seine Untersuchung hat ergeben: Die rein römische Keramik der Kategorie Terra sigillata passt exakt zu Funden aus Trier, die aus den Jahren 29/30 v. Chr. datieren. Kaiser weiß um die Bedeutung dieser Datierung.

Grenze am Rhein wurde früher gesichert als angenommen

Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass das kleine Römerlager aus dem Jahr 16. v. Chr., das nur eine halbe Legion mit etwa 3000 Mann in Zelten aufnehmen konnte, vor allem als Kundschafter-Quartier diente. Die Soldaten sollten vor der vier Jahre darauf beginnenden großen rechtsrheinischen Germanienoffensive des Drusus das Terrain sondieren.

Dass Legionäre nun bereits 13, 14 Jahre früher als bisher bekannt am Rhein stationiert wurden, belegt nach Kaiser eine deutlich frühere „Grenzsicherung“ als bisher angenommen. Er vermutet, dass die in Trier im Jahr 30 v. Chr. stationierte Legion über die alte, vorrömische Straße von der Mosel bis ins heutige Neuss zog und nahe des Rheins dieses erste Lager am Rhein errichtete. Bereits jetzt wurde die Grenze gesichert, wurde auf rechtsrheinischem Gebiet gekundschaftet. Als Jahre später das Lager A angelegt wurde, geschah das offensichtlich in Zusammenhang mit der Niederlage eines Legaten im Jahr 16. v .Chr. – keine große Schlacht, aber der Adler ging verloren!

Den genauen Verlauf dieses neuen ältesten Römerlagers zu kartieren, wird wegen der Bebauung schwierig, wenn nicht unmöglich werden. Aber vielleicht gibt es ja auch in Neuss irgendwann einmal wieder einen Überraschungsfund.

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