Der Bürgerverein Langst-Kierst wird nur aktiv, wenn Themen, die alle betreffen, dies erforderlich machen.

Hier lässt es sich aushalten: Zwischen Nikolaus Simons (l.) und Josef Breuers erkennt man die Rheinfähre Michaela II, die täglich zwischen Langst-Kierst und Düsseldorf-Kaiserswerth pendelt.
Hier lässt es sich aushalten: Zwischen Nikolaus Simons (l.) und Josef Breuers erkennt man die Rheinfähre Michaela II, die täglich zwischen Langst-Kierst und Düsseldorf-Kaiserswerth pendelt.

Hier lässt es sich aushalten: Zwischen Nikolaus Simons (l.) und Josef Breuers erkennt man die Rheinfähre Michaela II, die täglich zwischen Langst-Kierst und Düsseldorf-Kaiserswerth pendelt.

Marc Ingel, Bild 1 von 2

Hier lässt es sich aushalten: Zwischen Nikolaus Simons (l.) und Josef Breuers erkennt man die Rheinfähre Michaela II, die täglich zwischen Langst-Kierst und Düsseldorf-Kaiserswerth pendelt.

Langst-Kierst. Es war 1975, die Stadt Meerbusch frisch gegründet und direkt in ihrer Existenz bedroht. Das Kunstgebilde zwischen den Großstädten sollte zerschlagen, Meerbuschs Norden mit Ossum-Bösinghoven, Lank-Latum, Strümp, Nierst und eben Langst-Kierst Krefeld zugeschlagen werden.

"Wir wären der letzte Zipfel Krefelds geworden", sagt der Bürgervereinsvorsitzende Josef Breuers (59). "Eine furchtbare Vorstellung", ergänzt sein Stellvertreter Nikolaus Simons (47). Es war diese Bedrohung, die zur Gründung des Bürgervereins führte.

"Das komplette Dorf wurde mobilisiert", erinnert sich Breuers. Etwa 200Mitglieder, Alteingesessene ebenso wie Zugezogene, engagierten sich. "Wir wollten in Meerbusch bleiben."

Von Beginn an war der Bürgerverein nicht monothematisch aufgestellt: Den Kampf gegen den Fluglärm machte man sich zur Aufgabe, die Verbesserung der Infrastruktur. Arbeitskreise gründeten sich, aber "unsere Satzung passt auf eine Seite", sagt Breuers.

Das Bedürfnis nach Formalitäten war nicht ausgeprägt und der Bürgerverein ist immer noch kein eingetragener Verein. Nur zu Beginn wurden Anmeldungen ausgefüllt, zahlten Familien einen Jahresbeitrag von zehn Mark. Vielleicht drei Jahre ging das so, dann achtete niemand mehr darauf.

Sehr aktiv waren die Arbeitskreise, deren Mitglieder sich für die Langst-Kierster Interessen "auf allen Kanälen bemerkbar machten" und intensiv vernetzten. Die Verbindungen reichten bis in die Bundeshauptstadt Bonn. Damals wurde der Grundstein für die Altenarbeit in der Gemeinde gelegt, Gottesdienste, Vorträge und Spielenachmittage organisiert. Das Gasthaus Wellen war Versammlungsstätte, bis das Tiefbauamt die Alte Schule verließ.

Josef Breuers glaubt, dass eigene Räume für die Dorfaktivitäten lebenswichtig sind. So sieht er denn auch dem Abriss der Alten Schule und dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses mit Bürgerraum mit Spannung entgegen. Ein Jahr lang wird man im Zweifel wieder ins Gasthaus Wellen ausweichen. Das Lanker Bürgerhaus ist keine Alternative, glaubt Breuers. Hätte Langst-Kierst keine eigenen Bürgerräume bekommen, "würde vieles einschlafen, was man hat". Das eine Jahr Dürre während der Bauzeit "überbrücken wir spielend".

Breuers und Simons haben ein entspanntes Verhältnis zu ihrer Aufgabe. "Wir sind nicht die Aktivisten." Der Bürgerverein habe seine großen Stunden gehabt, aber man müsse auch nicht künstlich etwas schaffen. Man sei Ansprechpartner für die Langst-Kierster und die Stadt, "und wenn jemand anruft, brennt ihm etwas unter den Nägeln", sagt das in 20 Jahren gut eingespielte Tandem, das mit den Schützen und Reitern, beim Kegeln oder in der Kirche Verbindungen pflegt.

"Warum sollen wir auf die Barrikaden gehen, wenn alle zufrieden sind?"

 

Nikolaus Simons

"Die Zusammenarbeit im Meerbuscher Norden funktioniert." ÖPNV, weithin klackernde Schwellen auf der A44, der DSL-Anschluss oder die Deichsanierung sind Themen, die gemeinsam bearbeitet werden. "Wir sind keine Konkurrenten."

Ebendies war 2001 bei der Neugliederung des Luftraums ein Grund, die Arbeitsgemeinschaft Meerbuscher Norden gegen den Fluglärm zu gründen. "Wir waren alle heftig getroffen und wollten vermeiden, gegeneinander ausgespielt zu werden." Das gelang.

"Der Bürgerverein ist die Schaltzentrale zwischen den Langst-Kierster Vereinen, aber wir sind nicht die großen Macher", sagen Breuers und Simons. Man habe seine Legitimation aus der Bürgerversammlung heraus. Zu der wird per Handzettel im Briefkasten eingeladen - aber auch nur, wenn es ein Thema gibt, das das Dorf betrifft. 80 bis 100 Besucher kämen dann immer, alle Getränke gebe es umsonst, "und am Ende lassen wir das Hütchen rumgehen". Niemand führe heute mehr Buch: "Wir sind ein Vorstand ohne Mitglieder, und dieser Zustand ist völlig in Ordnung."

Angesichts des vielfältigen Vereinslebens in Langst-Kierst versteht sich der Vorstand "nicht als Freizeit-Organisator oder Volksunterhalter". "Und wir haben trotz dieser etwas laschen Haltung einiges erreicht", sagt Breuers lächelnd.

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