Von Nikola Dünow
Mit Teilzeitmodellen und Unterstützung bei der Betreuung steuern Kliniken dem Fachkräftemangel entgegen.
Dr. Stefanie Micke ist Oberärztin in der Akutgeriatrie. Dr. Alois Gräf-Gross ist Assistenzarzt in der geriatrischen Rehabilitation. Beide haben zwei Kinder und teilen sich ihre Arbeitszeit flexibel ein.
Wuppertal. Die Gesundheits- und Krankenpflege ist fest in weiblicher Hand, mehr als zwei Drittel der Medizinstudenten sind weiblich. Gleichzeitig ist der Fachkräftemangel ein großes Thema und wird sich verschärfen.
Mehr pflegende Angehörige erfordern flexible Arbeitszeiten
Die Folge: Die Krankenhäuser müssen sich vermehrt um Familienfreundlichkeit kümmern, damit Ärzte wie Pflegepersonal Beruf und Familie trotz Schichtdienstes unter einen Hut bekommen. Flexible Arbeitszeiten, Zuschüsse zur Kinderbetreuung, Ferienbetreuung und Zeitkonten – die Wuppertaler Krankenhäuser haben sich einiges einfallen lassen (s. Kasten). Ein Beispiel aus der Akutgeriatrie am Petrus-Krankenhaus, wo Prof. Annette Welz-Barth Chefärztin ist.
Eine Ärztin macht dort nur Nachtdienste und kümmert sich ansonsten um ihre drei Kinder, ein Familienvater beginnt seinen Dienst immer um 7 Uhr und geht mittags wieder, ein anderer arbeitet mit Zeitkonto. Ob nur wenige Stunden Arbeitszeit, halbe, dreiviertel oder 80-prozentige Stelle – alles ist vertreten.
„Ich habe selbst Familie und habe früher auch in Teilzeit gearbeitet. Ich weiß, dass das möglich ist“, sagt die Leiterin der Klinik für geriatrische Rehabilitation im Verbund St. Josef und St. Antonius. Sie ist eine der wenigen Chefärztinnen im Verbund und versucht, in ihrer Abteilung flexible Teilzeitmodelle zu ermöglichen. „Fachkräftemangel als Problem der Zukunft kriegen wir nur geregelt, wenn wir flexibel reagieren. Wenn ich meinem Team entgegenkomme, weiß ich, dass ich im Gegenzug auf sie zählen kann“, sagt Welz-Barth. Außerdem würden Teilzeitkräfte zwangsläufig strukturierter arbeiten, wenn sie zum Beispiel ihre Kinder pünktlich abholen müssen. Mit dem demografischen Wandel würde die Zahl der zu pflegenden Angehörigen wachsen und den flexiblen Arbeitszeiten langfristig eine weitere Notwendigkeit geben.
Dr. Alois Gräf-Gross, Vater von zwei Kindern, hat seine Arbeitszeit immer wieder je nach familiärer Situation aufgestockt. „Je nachdem, was auf der Station los ist, arbeite ich meistens bis 14 Uhr.“ Seine Kollegin, Dr. Stefanie Micke, die zwei kleine Kinder hat, arbeitet 75 Prozent auf vier Tage verteilt. „Das ist eine gute Lösung, aber manchmal ist es grenzwertig, die Arbeit zu schaffen. Deshalb ist die Absprache mit den Kollegen extrem wichtig.“ Trotz ihrer Teilzeit-Lösung fühlen sich die beiden ernstgenommen, dumme Sprüche haben sie noch nicht gehört.
Im Pflegedienst gibt es flexible Lösungen, wenn es um die Anzahl und „Lage“ der Schichten geht. Es gibt Mitarbeiter, die nur eine Schicht pro Woche arbeiten, Mitarbeiter, die hauptsächlich nachts im Hause sind und solche, die nur Frühschichten belegen. Andere arbeiten einmal im Quartal drei bis vier Schichten. Mitarbeiter, die vorzeitig aus der Elternzeit zurückkehren, bekommen einen Zuschuss zur Kinderbetreuung in Höhe von bis zu 150 Euro.
Die räumliche Nähe zur Bethesda Kindertagesstätte e.V. wird von vielen Mitarbeitern genutzt. Seit rund drei Jahren setzt Bethesda bei der Personalplanung bei Ärzten und Pflegenden verstärkt auf flexible Teilzeitmodelle. Dieses Modell ist gerade bei Ärztinnen sehr beliebt. Mehrere Ärzte und Pflegende nutzen die Elternzeit.
Seit einem Jahr trägt der Klinikverbund das Zertifikat des audits berufundfamilie, das Unternehmen dabei unterstützt, eine familienbewusste Personalpolitik umzusetzen. In der Klinik für Geriatrie gibt es ein Ferienprogramm, bei dem Mitarbeiter-Kinder betreut werden. Es gibt ein Führungskräftecoaching zum Thema Familienfreundlichkeit und ein sogenanntes Elternzeithalteprogramm, das den Wiedereinstieg erleichtern soll. Das Praktische Jahr bei den Ärzten kann in Teilzeit absolviert werden.





