Er ist ausgewiesener Fachmann für empirische Gesundheitsökonomik. Die WZ sprach mit Hendirk Jürges, Stiftungsprofessor am neuen Kompetenzzentrum Gesundheit.

Interview
Großbild Uni

Professor Hendrik Jürges will das neue Kompetenzzentrum für Gesundheitsökonomie und -management als Forschungsstandort etablieren.

Herr Professor Jürges, Sie sind im September 2010 als Barmenia-Stiftungsprofessor für Gesundheitsökonomie und –management ans BKG (Bergisches Kompetenzzentrum für Gesundheitsmanagement) gekommen. Was ist Ihr Forschungsschwerpunkt?

Hendrik Jürges: Mein Hauptgebiet ist die Frage nach der sozialen Ungleichheit in der Gesundheit. Ich arbeite mit an einer interdisziplinären Gesundheitsumfrage in 15 EU-Ländern, die den Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und der Gesundheit untersucht. Es ist EU-weit derzeit das größte sozialwissenschaftliche Forschungsprojekt. In den vergangenen neun Jahren sind dort in der Summe 25 bis 30 Millionen Euro investiert worden.

„Es geht nicht ums Sparen, sondern um den effizienten Einsatz der Mittel.“

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Jürges: Menschen mit Hochschulabschluss leben im Schnitt etwa acht Jahre länger als solche mit Hauptschulabschluss. Wir versuchen herauszufinden, woran das liegt. Uns liegen Daten von vielen Tausend Menschen vor und wir untersuchen mit statistischen Methoden, ob schlechte Jobs, ungesunde Ernährung oder ein schlechtes Wohnumfeld Schuld daran sind.

Welches Ziel verfolgt die Gesundheitsökonomie? Geht es dabei vor allem ums Sparen?

Prof. Dr. Hendrik Jürges (42) leitete bislang den Forschungsbereich Gesundheit am Mannheimer Forschungsinstitut „Ökonomie und demographischer Wandel“ an der Universität Mannheim und gilt als ausgewiesener Fachmann für empirische Gesundheitsökonomik. Jürges hat ein umfangreiches wissenschaftliches Werk vorgelegt, das neben der Gesundheitsökonomie auch Themen der Arbeitsmarkt- und Bildungsökonomie und der Familienforschung abdeckt. (Quelle: Barmenia)

Das BKG wird vor allem durch Sponsorengelder bergischer Unternehmen finanziert. Zu Gründern und Unterstützern gehören Kliniken und Krankenkassen.

Jürges: Es geht nicht ums Sparen, sondern um den effizienten Einsatz der vorhandenen Mittel. Das Geld, das der Beitragszahler zahlt, soll vernünftig eingesetzt werden. Hinter den Untersuchungen steht also immer die Frage: Wie kann das Gesundheitssystem effizient und zukunftsorientiert gestaltet werden.

Was reizt Sie besonders an der BKG-Professur?

Jürges: Der Aufbau eines neuen Instituts in Kooperation mit regionalen Playern aus dem Gesundheitssystem ist für mich eine spannende Herausforderung.

„In der Forschung stehen wir im globalen Wettbewerb.“

Sie sind ein international gefragter Forscher auf Ihrem Gebiet. Haben Sie nicht Sorge, dass Ihnen Wuppertal zu klein wird?

Jürges: Internationale Forschung in regionalem Kontext ist für mich kein Widerspruch. Die überschaubare Größe einer Stadt kann für einige Projekte durchaus von Vorteil sein. Wuppertal und die Bergische Region sind für mich vor allem interessant aufgrund der engen Vernetzung mit den Versicherungen und der Gesundheitswirtschaft in der Region. Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und wissenschaftlicher Tätigkeit kann Impulse für neue Studienthemen geben. Die starke Verbindung zwischen Uni und Stadt, wie ich sie in Wuppertal erlebe, ist ein weiterer Vorteil. Das alles sind gute Voraussetzungen hier vor Ort.

Was ist Ihr Ziel für das BKG?

Jürges: Ich will das BKG als neuen, sichtbaren Forschungsstandort etablieren. Dabei ist es auch mein Ziel, zu expandieren und langfristig weitere Mitarbeiter einzustellen.

Mit welchen Instituten steht das BKG in Konkurrenz?

Jürges: In der Forschung stehen wir im globalen Wettbewerb. Bei den Studierenden sind die Universitäten Duisburg-Essen und Köln Konkurrenten. Dort gibt es ebenfalls Studiengänge der Gesundheitsökonomie.

Wieso sollten sich Studenten für Ihren Standort entscheiden?

Jürges: Wir haben schon einen Bachelorstudiengang, und der Master wird demnächst dazukommen. An der Universität Duisburg-Essen gibt es nur einen Masterstudiengang. Im Vergleich zu den anderen Universitäten legen wir mehr Wert auf die Vermittlung des ökonomische Rüstzeugs. Das liegt sicher auch daran, dass wir keine medizinische Fakultät haben. Mein Ehrgeiz ist es, den Studenten die spezielle ökonomische Denkweise beizubringen. Es geht darum, ihnen den Blick zu schärfen für Ineffizienzen im Gesundheitssystem. Sie sollen ein Gefühl dafür bekommen, wo Ressourcen unnötig verschwendet werden.

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