Tony Cragg ist Brite – da passte es bestens, dass in seinem Skulpturenpark Werke aus seiner Heimat zu hören waren.

konzert
Großbild Gerhard Bartsch

Gaben ein „Tonleiter“-Konzert in Tony Craggs Skulpturenpark: Florence Millet (Klavier), Werner Dickel (Bratsche, rechts neben ihr) und Gerald Hacke (Klarinette, links) stellten unter anderem John Woolrichs „A Farewell“ vor.

Wuppertal. Nicht nur Bildhauer Tony Cragg war anwesend, als es am Samstagabend in der Reihe „Tonleiter“ in seinem Skulpturenpark um zeitgenössische britische Musik ging. Die beteiligten Lehrenden der Musikhochschule hatten ihre Studenten motiviert: So hielt der Glaspavillon kaum dem Besucherandrang stand. Mit Verspätung startete das Programm, das ungewöhnliche Hörerfahrungen bereit hielt.

John Woolrichs „A Farewell“ für Klarinette (Gerald Hacke), Bratsche (Werner Dickel) und Klavier (Florence Millet) nimmt mit seiner düsteren und zur Meditation anregenden Grundstimmung gefangen. Benjamin Britten hat seine „Sonate in C“ von 1961 für Cello und Klavier dem großen Cellisten Mstislav Restropovich gewidmet, weshalb nach erregten Klang-Konfusionen immer wieder auch melodisch-klagende Celloweisen und Klangexperimente Raum finden.

Endlos-Triller und extreme Tonsprünge

Selbst dem geübten Ohr erschließt sich Harrison Birtwistles kurzes „Movement for String Quartet“ (1991) auch nach zweimaligem Hören nicht leicht: Zu komplex sind die Strukturen, die die vier Streicher (Ulrike Nahmmacher, Martin Roth, Werner Dickel und Susanne Müller-Hornbach) individuell verfolgen. Kollege Dirk Peppel fungiert mit seinem Dirigat als Navigator durchs Stimmen-, Takt- und Rhythmus-Dickicht: So barbarisch also klingt für den Komponisten unsere Welt, die nur kurze Atempausen und sekundenlanges Innehalten gewährt.

Michael Nymans Don-Giovanni-Hommage ist dagegen wie eine mit Spaß gestrichene Mozart-Parodie. Huw Watkins Choräle für Klarinette und Klavier von 2000 kontrastiert unruhig-suchende Musik mit ruhigen Passagen, fordert vom Klarinettisten Ausflüge in höchste Lagen und extreme Tonsprünge.

Auch Oliver Knussens „Prayer Bell“ für Klavier solo experimentiert mit weit entfernten Tonräumen, lässt Glocken-Akkorde tropfen, löst Ansätze von Arpeggien in Endlos-Triller auf und spielt mit mit- und nachschwingenden Ober- und Untertönen. Auch Mark-Anthony Turnages „Slide Stride“ für Klavierquintett (2002) erschließt sich durchaus nicht von alleine, wie Moderator Gerald Hacke vermutet: Trotz Anklängen an Jazz und rhythmischer Anlage fordert die ebenso abstrakte wie wüste Musik gespannte Aufmerksamkeit. Großes Publikums-Lob gab es für die gut disponierten Profis von Sinfonieorchester und Musikhochschule, die die unbekannte und uneinheitliche Neue Musik von „Britannia“ nahe brachten.

Am 17. März heißt es um 19 Uhr: „Zwischen den Welten“. Vorgestellt werden Stücke von Komponisten, die sich zwischen den musikalischen Sphären ihrer Heimat und einer neuen Welt bewegen.
 

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