Gerald Hacke, künstlerischer Leiter, über das Programm am Freitag, 25. Januar, im Skulpturenpark.

Herr Hacke, als künstlerischer Chef der „Tonleiter“-Reihe laden Sie am Freitag in den Skulpturenpark Waldfrieden. Weshalb trägt das Konzert den Titel „ . . . einer Amsel zupfeifend“?

Gerald Hacke: Der Konzerttitel ist hergeleitet aus dem Titel eines Werks des italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino: „Fauno che fischia a un merlo“ für Flöte und Harfe. Sciarrino ließ sich von einem Gemälde Arnold Böcklins von 1863 inspirieren, das wiederum den gleichen Titel auf Deutsch trägt: „Faun, einer Amsel zupfeifend“. In der Welt der römischen und griechischen Mythologie fanden auch die Impressionisten Maurice Ravel und Claude Debussy Anregungen für ihre Werke. Sciarrinos Duo für Flöte und Harfe ist für mich wie ein impressionistisches Gemälde – hundert Jahre später komponiert und in den Klangfarben völlig neuartig.

Das Programm erinnert an den Impressionismus. Inwiefern?

Hacke: Die Impressionisten Ravel und Debussy bilden den Rahmen für ein Programm, bei dem zeitgenössische Komponisten wie Wolfgang Rihm, Salvatore Sciarrino oder Huw Watkins mit neuen klanglichen Mitteln ähnliche Ideen in ihren Werken umsetzen. Ist es zum Beispiel bei Sciarrino ein Faun, so war es bei Debussy der Gott Pan, der lüstern der Nymphe Syrinx nachstellt und sich zum Schluss aus der in ein Schilfrohr verwandelten Syrinx eine Flöte schnitzt – die Panflöte. Für diesen Moment schrieb Debussy 1913 das Werk „Syrinx für Flöte solo“.

Was ist das ungewöhnlichste Werk des Abends?

Liviu Neagu-Gruber, Martin Roth, Momchil Terzisyki, Vera Milicevic, Manuela Randlinger-Bilz, Catarina Laske-Trier und Gerald Hacke spielen heute um 19 Uhr in Tony Craggs Park an der Hirschstraße.

Hacke: Für uns war die Erfahrung mit Wolfgang Rihms Septett „En plein air“ von 2005 am spannendsten. Vor den Proben hatten wir die Befürchtung, dass das Werk rhythmisch so kompliziert ist, dass wir einen Dirigenten bräuchten. Bei den Proben stellten wir aber fest, wie raffiniert die einzelnen Stimmen ständig miteinander kommunizieren und sich dabei ohne einen helfenden Dirigenten völlig selbstverständlich erregende Kammermusik entwickelt.

www.skulpturenpark-waldfrieden.de

 

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