Reinhard Hösterey leidet an Krebs – ohne Hoffnung auf Heilung. Trotzdem hat er sich nicht aufgegeben: „Ich genieße jeden Tag.“

Porträt
Großbild Michael Mutzberg

Reinhard und Elke Hösterey im Gespräch mit Dr. Oliver Schmalz (Mitte). Der Chefarzt für Onkologie und Palliativmedizin am Helios Klinikum betreut den 74-Jährigen. Einmal in der Woche muss sich Hösterey ambulant in der Klinik untersuchen lassen.

Wuppertal. Wenn Reinhard Hösterey aus seinem Leben erzählt, dann lächelt er viel. Der 74-Jährige, der zur Bäcker-Familie Hösterey gehört und bis vor wenigen Jahren Mitinhaber des Geschäfts war, weiß einige Geschichten zu berichten. Als junger Mann lebte er in Südafrika, mit seiner Frau Elke bereiste er später verschiedene Teile der Welt. Zusammen waren sie zum Beispiel in Russland, Ägypten und Namibia. Und auch heute fahren die beiden noch in den Urlaub. Im vergangenen Jahr ging es nach Italien, wo Höstereys Schwester lebt, und ins Allgäu – gemeinsam mit der Tochter und ihrer Familie.

Wenn Hösterey von seinen beiden Enkelkinder spricht, dann wird sein Lächeln noch größer. Mit der Neun- und dem Sechsjährigen verbringt er viel Zeit. „Sie sind mein großes Glück“, sagt Hösterey. Der familiäre Zusammenhalt spielt eine große Rolle im Leben der Höstereys – und er ist es auch, der ihnen Kraft gespendet hat, in den schweren Zeiten.

In den vergangenen Jahren litt Hösterey mehrmals unter schweren Erkrankungen, von denen er sich jedoch immer wieder erholt hat. Anfang 2011 kam eine Bypass-Operation hinzu, auch die überstand der 74-Jährige gut. Dann aber fingen plötzlich die Probleme mit seiner Stimme an: Hösterey fiel es immer schwerer, zu sprechen. „Ich konnte fast nur noch flüstern“, erzählt er. Im Krankenhaus ließ er sich untersuchen. Anfang Februar, nur wenige Wochen nach der Bypass-Operation, folgte die erschütternde Diagnose: Hösterey leidet an Lungenkrebs, im fortgeschrittenen Stadium. „Ich bin aus allen Wolken gefallen und habe mich gefragt, warum das jetzt auch noch kommen musste“, erinnert sich Ehefrau Elke Hösterey.

„Mein Lebensmotto lautet: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Reinhard Hösterey

Höstereys Erkrankung ist nicht heilbar. Der Krebs hat schon in andere Organe gestreut. Der 74-Jährige weiß das – die Wahrheit über seine Krankheit zu erfahren, war ihm wichtig. „Dr. Schmalz, der mich im Helios Klinikum betreut, habe ich gebeten, dass wir immer ehrlich zueinander sind“, sagt er.

Auch der Familie und den Freunden gegenüber hat sich Hösterey für Offenheit entschieden. „Den Enkelkindern haben wir erklärt, dass ich krank bin“, sagt er. Ein tägliches Thema in der Familie ist die Krebserkrankung aber nicht. Und auch Hösterey selbst hat sich von der Krankheit nicht vereinnahmen lassen. Er ruht in sich selbst, lebt selbstbestimmt, seine Lebensfreude ist ungebrochen: „Ich genieße jeden Tag“, sagt er. Sich aufzugeben, kam für Hösterey nicht in Frage: „Mein Lebensmotto lautet: Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagt er und blickt sein Gegenüber entschlossen an.

Ist die Krebserkrankung nicht heilbar, gehe es darum, möglichst viel Zeit zu gewinnen, sagt Dr. Oliver Schmalz, Chefarzt für Onkologie und Palliativmedizin im Helios Klinikum. Häufig wird als Behandlung eine Chemotherapie eingesetzt. Heute müsse es einem Patienten dabei aber nicht mehr zwangsläufig schlecht gehen, so Schmalz. So gebe es neue, verträglichere Krebsmedikamente. Sie werden zum Beispiel einmal täglich in Tablettenform eingenommen. Diese Art der Behandlung trifft derzeit auch auf Reinhard Hösterey zu. Der 74-Jährige muss nur einmal in der Woche zur Untersuchung ins Krankenhaus. Schmerzen durch die Erkrankung verspürt er nicht.

Die Krebsberatungsstelle Wuppertal bietet unter anderem Informationen zur Erkrankung und psychologische Unterstützung. Die Sprechzeiten sind montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung.                    
Ruf: 45 64 44
www.krebsberatung-wuppertal.de

Laut einer Hochrechnung des Krebsregisters NRW erkranken in Wuppertal jährlich 2078 Menschen neu an Krebs.

Heute ist Weltkrebstag. Er wurde 2006 ins Leben gerufen, um die Krankheit ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Manchmal aber schleichen sie sich dann doch an – die dunklen Gedanken. „Es gibt auch Durchhänger, wo ich mich überflüssig fühle“, gesteht Hösterey. Ihn stören vor allem die täglichen Einschränkungen. Denn durch die erste Chemotherapie bekam Hösterey Lähmungserscheinungen in den Händen – eine Nebenwirkung der Behandlung. „Ich kann zum Beispiel keine Knöpfe mehr auf- und zumachen“, erzählt der 74-Jährige. Von den Ärzten und der medizinischen Versorgung im Helios Klinikum aber ist er begeistert. „Ohne die moderne Medizin würde ich schon gar nicht mehr leben. Ich habe großes Vertrauen zu den Ärzten“, sagt er.

Seinen Frieden mit der Krankheit hat Hösterey gemacht. „Man muss mit der Situation klarkommen“, sagt er mit ernstem Gesicht. Dann aber – innerhalb von wenigen Sekunden – ist es plötzlich wieder da, dieses breites Lächeln: „Ich halte es wie Woody Allen: Mir ist es egal, wenn der Tod kommt und an meine Tür klopft. Ich hoffe nur, dass ich dann nicht zu Hause bin.“

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