Der Koran, geschenkt: Was Salafisten in vielen Städten in NRW und Deutschland als Aufklärung feiern, wird von den Sicherheitsbehörden kritisch beäugt. Und die Passanten? Die greifen kräftig zu.

In Wuppertal verteilten Islamisten am Samstag Koran-Exemplare an Passanten.
In Wuppertal verteilten Islamisten am Samstag Koran-Exemplare an Passanten.

In Wuppertal verteilten Islamisten am Samstag Koran-Exemplare an Passanten.

dpa

In Wuppertal verteilten Islamisten am Samstag Koran-Exemplare an Passanten.

Wuppertal (dpa). Den Koran verteilen, was ist denn schon dabei? «Mich könnte jetzt hier keiner zu irgendwas verführen oder bekehren. Ich finde das einfach interessant», sagt eine Dame am Samstag in der Wuppertaler Innenstadt und freut sich über eine kostenlose Ausgabe der heiligen Schrift des Islam. In Deutschland sei das eben erlaubt.

Auch Abu Ibrahim freut sich. Gekleidet in T-Shirts mit «LIES!»-Aufdruck hat der Salafist mit seinen Glaubensbrüdern soeben 500 Exemplare des Korans an Passanten in der Wuppertaler Fußgängerzone verteilt. «Das ist sehr, sehr gut gelaufen. Die Leute hier sind wissbegierig, sie wollen sich ein eigenes Bild machen», sagt er. Das wollen sie nicht nur in Wuppertal.

In zahlreichen Städten in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland stehen am Samstag bärtige Männer hinter Tapeziertischen, auf denen sich Übersetzungen des Koran stapeln. Mehr als 30 Verteilaktionen in der ganzen Republik sind angekündigt, umgesetzt werden wohl deutlich weniger. Die radikalen Islamisten bringen den Koran auch in Gelsenkirchen, Bonn, Hannover und Berlin unters Volk. In Hagen, Düsseldorf, Aachen, Hamburg und anderen Städten lassen sie sich nicht blicken.

Laut Verfassungsschutz soll das Netzwerk «Die wahre Religion», das sich um den radikalen Prediger Ibrahim Abou Nagie gebildet hat, hinter der Aktion stecken. Politiker und Sicherheitsbehörden befürchten, dass radikale Salafisten die Aktion für extremistische Zwecke missbrauchen könnten. Den Salafisten gehe es um Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern, sagte die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, der Tageszeitung «B.Z.».

«Wir machen hier Sachen, die nicht verboten sind, also können wir das doch wohl wiederholen», sagt Abu Ibrahim. Auch wenn es durchaus kritische, «teils auch beleidigende» Bemerkungen von Passanten gibt, wie er sagt: Das Interesse an einem kostenlosen Koran überwiegt.

Dass die Akteure der Massenschenkung misstrauisch von den Sicherheitsbehörden beobachtet werden, stört offenbar nur wenige Passanten: «Ach, da halte ich überhaupt nichts von. Es muss sich jeder seine eigene Meinung bilden», sagt ein Herr mittleren Alters vor dem Stand.

Die Berichte über verfassungsfeindlichen Extremisten hält der Mann für Panikmache. Schließlich seien die bärtigen Herren dort doch sehr freundlich und überhaupt nicht aufdringlich - und außerdem: «Man darf ja nicht immer darauf hören, was die Presse sagt.»

 

Leserkommentare (33)


() Registrierte Nutzer