St. Josef in Elberfeld: Was mit christlicher Fürsorge durch Ordensschwestern begann, ist heute ein spezialisiertes Krankenhaus.

Trotz mancher Umbauten hat das Kapellchen hier und da noch seine sakrale Anmutung bewahrt.
Trotz mancher Umbauten hat das Kapellchen hier und da noch seine sakrale Anmutung bewahrt.

Trotz mancher Umbauten hat das Kapellchen hier und da noch seine sakrale Anmutung bewahrt.

Andreas Fischer

Trotz mancher Umbauten hat das Kapellchen hier und da noch seine sakrale Anmutung bewahrt.

Elberfeld. "Chen" und "lein" macht alles klein. Dabei ist die Wortkreation für Elberfelds "Schätzken" in Sachen Gesundheit, das Kapellchen, durch mehrfache Verniedlichung wahrhaft göttlich. Denn zunächst einmal ist eine Kapelle nur Teil eines großen Kirchengebäudes oder ein eigenständiges, aber kleines Bethaus. Dann leitet sich die Ur-Kapelle über den Reliquien des heiligen Martin vom lateinischen "cappa" ab, dem Mantel, den der Reiter teilte, und "capella" ist bereits ein Diminutiv, eben eine Verniedlichung. Für den Volksmund kann das nur Anreiz sein, per "chen" noch eins draufzusetzen.

1855 kamen die ersten drei Ordensschwestern in Elberfeld an

Nun hatten die Wuppertaler allen Anlass, das St. Josef-Krankenhaus an der Bergstraße über das Kosewort Kapellchen so richtig ins Herz zu schließen. Das Haus war im Herbst 1855 fertiggestellt worden, am 21. November kamen schon die ersten drei Ordensschwestern der Trierer Borromäerinnen, um dort die Krankenpflege zu übernehmen. Die katholische Ausrichtung unter dem Patronat des heiligen Josef ließ den dankbaren Patienten wahrscheinlich keine andere Wahl, als das medizinische Anliegen der christlichen Barmherzigkeit unterzuordnen und deshalb lieber von einer Kapelle statt von einem Krankenhaus zu sprechen.

Johann Gregor Breuer hatte 1849 nach einer Choleraepidemie zum Bau des Hauses angeregt. Schritt für Schritt spezialisierte es sich vom allgemeinen Krankenhaus bis hin zum Sankt Josef Zentrum für Orthopädie und Rheumatologie, das es seit Juli 1997 ist. Die Effizienz einer solchen Spezialisierung wird vielleicht besonders deutlich, wenn man weiß, dass das alte Kapellchen seit April 2008 so etwas Hochmodernes wie eine Klinik für Arthroskopische Chirurgie und Sportrheumatologie besitzt - demnach einen Bereich, der den frühen Ordensschwestern ein Buch mit sieben Siegeln gewesen wäre.

Die Zeit der Nonnen im Krankenhaus ist seit diesem Frühjahr vorüber

Während sich das Innenleben wandelt, steht noch ein großer Teil der alten Gebäude, nun allerdings mit Parkhaus und weiteren Anbauten, die sich schwerlich mit einem Kapellchen in Verbindung bringen lassen. Der Abriss des Westflügels im Frühjahr 2004 weist ebenfalls darauf hin, dass längst eine neue Stunde geschlagen hat. Als im Februar 2010 Schwester Alfonsa und Schwester Ansfrieda nach langen Dienstjahren zurück ins Mutterhaus nach Trier gingen, blieben nur noch Oberin Hildegarde und Schwester Michael zurück. Am 1. März wurde der Konvent der Borromäerinnen am Krankenhaus St. Josef gänzlich aufgelöst. Die beiden letzten Ordensschwestern zogen in den Konvent am Petrus-Krankenhaus nach Barmen.

Die Kongregation der Borromäerinnen wurde 1652 in Nancy als Antwort auf das Leid des Dreißigjährigen Krieges gegründet. Der Name geht auf den 1584 verstorbenen heiligen Karl Borromäus von Mailand zurück. Seinem Beispiel der Barmherzigkeit folgte Joseph Chauvenel, als er eine Armenapotheke einrichtete und Pestkranke pflegte. Nachdem er sich tödlich infiziert hatte, gründete sein Vater eine Charité unter dem Schutz der Heiligen Familie Jesus, Maria und Josef.

Den Krankendienst versahen unverheiratete Frauen und Witwen. 1811 kamen die ersten Schwestern nach Trier. Heute ist Tansania ein bedeutendes Einsatzgebiet der Borromäerinnen.

 

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