In Köln wurde eine vergewaltigte Frau von Kliniken abgewiesen. Die Pille danach bekam sie nicht. Kann so etwas auch im Tal passieren?

Die St.-Anna-Klinik gehört zur gleichen Stiftung wie die zwei Kölner Kliniken, die das Vergewaltigungsopfer mit Hinweis auf ethische Richtlinien wegschickten. Eine Erstversorgung und die Sicherung von Spuren würde man in der einstigen Landesfrauenklinik nicht verweigern – dafür aber die Pille danach.
Die St.-Anna-Klinik gehört zur gleichen Stiftung wie die zwei Kölner Kliniken, die das Vergewaltigungsopfer mit Hinweis auf ethische Richtlinien wegschickten. Eine Erstversorgung und die Sicherung von Spuren würde man in der einstigen Landesfrauenklinik nicht verweigern – dafür aber die Pille danach.

Die St.-Anna-Klinik gehört zur gleichen Stiftung wie die zwei Kölner Kliniken, die das Vergewaltigungsopfer mit Hinweis auf ethische Richtlinien wegschickten. Eine Erstversorgung und die Sicherung von Spuren würde man in der einstigen Landesfrauenklinik nicht verweigern – dafür aber die Pille danach.

Andreas Fischer

Die St.-Anna-Klinik gehört zur gleichen Stiftung wie die zwei Kölner Kliniken, die das Vergewaltigungsopfer mit Hinweis auf ethische Richtlinien wegschickten. Eine Erstversorgung und die Sicherung von Spuren würde man in der einstigen Landesfrauenklinik nicht verweigern – dafür aber die Pille danach.

Wuppertal. Allein die Vorstellung ist grausam: Eine junge Frau wird auf einer Party in Köln mit K.-o.-Tropfen betäubt und kommt erst am nächsten Tag wieder zu sich. Da die aufgesuchte Notärztin eine Vergewaltigung nicht ausschließen kann, möchte die 25-Jährige an einer Klinik die Spuren sichern.

Doch an zwei katholischen Krankenhäusern hilft man ihr nicht – mit Hinweis auf ethische Richtlinien des Bistums, da die Behandlung mit der Verschreibung der Pille danach verbunden sei.

Klinik-Sprecherin: „In Köln ist wohl etwas falsch gelaufen“

Sind katholische Kliniken wirklich so erbarmungslos oder handelt es sich hierbei nur um die Folgen eines Missverständnisses? Wie geht man an katholischen Kliniken im Tal mit Vergewaltigungsopfern um?

Die Wuppertaler St.-Anna-Klinik gehört zur gleichen Gruppe wie die zwei Kölner Kliniken – zur katholischen Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria. An der größten Frauenklinik der Stadt kann man sich am Donnerstag nicht erklären, warum die Kölner Ärzte das Vergewaltigungsopfer wegschickten. „In Köln ist da wohl etwas falsch gelaufen“, sagt Klinik-Sprecherin Ann-Christin Kuklik. „Wir haben einen Versorgungsauftrag und unsere Ärzte untersuchen daher jede Frau, die nach einer Vergewaltigung zu uns kommt.“ Wenn es um die Pille danach für die Opfer geht, vertritt das Haus jedoch eine klare Position. „Wir stellen den Frauen kein Rezept für die Pille danach aus. Das ist gegen unsere ethischen Richtlinien“, sagt Kuklik.

Im Frauenhaus sieht man die Haltung der Klinik kritisch

Diese Richtlinien gebe das Erzbistum Köln nicht erst seit gestern vor. Dabei gehe es insbesondere um theologische Fragen zum „Schutz des ungeborenen Lebens“. Auch Abtreibungen gebe es in der Klinik nicht. Die anonyme Spurensicherung werde jedoch durchgeführt und bei Bedarf bekomme das Opfer auch Seelsorge und Betreuung. Für alles weitere würde man die Patientin weiter überweisen.

In einer Stellungnahme an unsere Zeitung gibt das evangelische Bethesda Krankenhaus an, dass sie bei Vergewaltigungen die Pille danach verschreiben würden. „Im Konflikt mit der Menschenwürde der betroffenen Frau überwiegt der Respekt vor ihrer Entscheidung über die Fortführung einer (eventuell) eingetretenen Schwangerschaft.“

Laut Kriminalitätsstatistik der Wuppertaler Polizei wurden im Jahr 2011 in Wuppertal, Solingen und Remscheid 72 Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht. Die Aufklärungsquote lag bei rund 70 Prozent. Über die Höhe der Dunkelziffer, das heißt über Vergewaltigungen, die nicht angezeigt wurden, kann es laut Polizei keine seriösen Angaben geben.
 

Kritik an dieser Haltung kommt vom Wuppertaler Frauenhaus des Vereins „Frauen helfen Frauen“: „Gerade nach Gewalttaten sollten Kliniken keine gynäkologische Versorgungen verweigern“, sagt Katrin Weber, Sozialpädagogin der Einrichtung. „Die betroffene Frau sollte selbst bestimmen, ob sie die Pille danach möchte oder nicht.“ Für Weber sei es „besorgniserregend“, dass man in vielen Fällen von Vergewaltigungen auf katholische Kliniken angewiesen sei.

Gerade am Wochenende müssten die Opfer sie aufsuchen. „Es gibt eine Versorgungslücke, da wir nicht mehr wissen, wohin wir die Frauen ruhigen Gewissens hinschicken können“, sagt Weber.

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