Eine opulente Buchreihe würdigt das Lebenswerk des großen Wuppertaler Eisenbahn-Fotografen Carl Bellingrodt.

Dampfende Historie, aufgenommen von Carl Bellingrodt: Das Bild links entstand 1933 am Bahnhof Elberfeld, das Bild rechts 1931 am Sonnborner Viadukt.
Dampfende Historie, aufgenommen von Carl Bellingrodt: Das Bild links entstand 1933 am Bahnhof Elberfeld, das Bild rechts 1931 am Sonnborner Viadukt.

Dampfende Historie, aufgenommen von Carl Bellingrodt: Das Bild links entstand 1933 am Bahnhof Elberfeld, das Bild rechts 1931 am Sonnborner Viadukt.

Dampfende Historie, aufgenommen von Carl Bellingrodt: Das Bild links entstand 1933 am Bahnhof Elberfeld, das Bild rechts 1931 am Sonnborner Viadukt.

Immer unter Dampf – so stellt man sich einen passionierten Eisenbahnfotografen vor: Carl Bellingrodt mit seiner legendären Nettel-Plattenkamera, deren belichtete Negativplatten in einem lichtundurchlässigen Wechselsack getauscht wurden. Die Kamera begleitete Bellingrodt 41 Jahre lang an etlichen Eisenbahnstrecken begleitete. Fotos (3): DGEG Medien GmbH/Sammlung Helmut Brinker

carl bellingrodt, Bild 1 von 3

Dampfende Historie, aufgenommen von Carl Bellingrodt: Das Bild links entstand 1933 am Bahnhof Elberfeld, das Bild rechts 1931 am Sonnborner Viadukt.

Wuppertal. Wer sich auch nur ansatzweise mit Eisenbahngeschichte befasst, stößt früher oder später auf diesen Namen: Carl Bellingrodt. Deutschlands berühmtester Eisenbahnfotograf (1897-1971) hat im Hauptberuf beim Finanzamt Elberfeld gearbeitet. Unsterblich macht ihn der Griff zum Auslöser seiner aus heutiger Sicht monströsen Kamera – tausendfach an Bahnstrecken im ganzen Land. Jetzt erscheint Bellingrodts fotografisches Werk in einer mehrbändigen Buchreihe, die auch Wuppertal als alte Eisenbahnstadt würdigt.

Immer auf Achse: Alte Ansichten – und eine Kamera als treuer Begleiter

Herausgeber Helmut Brinker – Wuppertaler, Sammler und Bellingrodt-Biograf – lässt keine Wünsche offen: Präsentiert der erste Band seiner Reihe vermeintlich nüchtern die „Dampflokomotiven der Baureihen 01 – 45“, die in Zeiten der Reichsbahn unterwegs waren, bietet der Bildband auch historische Motive aus dem Bergischen Land. Die Müngstener Brücke kommt dabei ebenso zu Ehren wie so manche alte Stadtansicht, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieg nur noch Geschichte war.

Dabei ist Bellingrodt eigentlich gebürtiger Kölner: Zur Welt kommt er am 7. April 1897 im Stadtteil Müngersdorf. Seine Mutter ist Hausfrau, sein Vater arbeitet bei der preußischen Militärverwaltung. Die Faszination für Eisenbahnen erfüllt Wilhelm Carl Alexander Bellingrodt schon als jungen Mann, und mit einer Spiegelreflexkamera der Marke Mentor spricht er wahlweise das Lokpersonal an Bahnhöfen an oder fotografiert aus der Landschaft heraus.

Tragisch für jeden Fotografen: 1921 – während des Umzugs von Hitzacker nach Elberfeld – fällt Bellingrodts gesamte Bildsammlung einem Feuer zum Opfer. Zwei Jahre später legt er sich eine Nettel-Plattenkamera zu. Sie soll ihn die ihn die nächsten 41 Jahre treu begleiten, bevor sie nach einem technischen Defekt das Zeitliche segnet. Fotografierte er „seine“ Eisenbahnen von 1939 bis 1942 auch im Auftrag des Reichsverkehrsministeriums, steht das Jahr 1947 im Zeichen der Improvisation: Um wieder Loks fotografieren zu können, schneidet sich Bellingrodt Röntgenfilme zusammen, um diese als Negative zu verwenden.

15 000 Bilder und ein Vermächtnis bis zum letzten Foto einer Dampflok

Mindestens 15 000 Bilder soll der gelernte Verwaltungsbeamte von 1917 bis 1971 gemacht haben. Das letzte Bild ist auf den 22. Mai 1971 datiert – und zeigt eine Dampflok im Saarland. Wenige Monate später stirbt der passionierte Eisenbahnfotograf an den Folgen einer Lebererkrankung.

Der erste Bildband „Carl Bellingrodt – das fotografische Werk“, herausgegeben von Helmut Brinker, ist bei der DGEG Medien GmbH erschienen (ISBN 978-3-937189-60-4), hat 263 Seiten inklusive Lok-Register, kostet 39,80 Euro und ist im Wuppertaler Buchhandel zu haben. www.dgeg.de

Dass sich Bellingrodt im Wesentlichen auf die Loks selbst konzentrierte, konnte nicht verhindern, dass viele seiner Eisenbahnbilder immer wieder auch Landschaften zeigen – so dass es kein Problem ist, sich in diesem Bildband „festzublättern“. Wie der Verlag auf WZ-Nachfrage berichtet, soll im Frühjahr nächsten Jahres der zweite Band folgen. Man darf gespannt sein – und die Bahnreise geht weiter.

 

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