Konstantin Wecker begeisterte mit seinem Auftritt unter dem Titel „Wut und Zärtlichkeit“ sein Wuppertaler Publikum.

Fischer, A. (f22)

Wuppertal. Es war ein Abend voll kraftvoller Poesie, Wortakrobatik und Zärtlichkeit, aber auch mit sozialkritischer Wut und Empörung. Konstantin Wecker stellte sein neues Album „Wut und Zärtlichkeit“ in der gut besuchten Stadthalle vor und erfüllte – im besten Sinne – alle Erwartungen. Als Summe der Erfahrungen, die er in den vergangenen Jahren im Zusammenspiel mit europäischen Musikern sammeln konnte zeigte der Komponist und Sänger seine musikalische Bandbreite.

„Niemand kennt sich in der Kunst des Scheiterns so aus wie ich.“

Konstantin Wecker mit einem Hauch Selbstironie in der Stadthalle.

„Zärtlichkeit und Wut tun dem Leben gut“ – und mit beiden Empfindungen betrachtet der 65-Jährige die ihn umgebenden Verhältnisse. Wut legt er etwa in das Deutschland-kritische „Absurdistan“, Zärtlichkeit in seinen Vertonungen verschiedener Gedichte von Bertolt Brecht, wie in dem einfühlsamen Song „Fliegen mit dir.“

Wecker, der froh damit kokettiert, ein „Nischenkünstler“ zu sein, ist eine Stimme, der man zuhört – dabei lässt er sich nicht reinreden. Schon immer politisch aktiv, blickte er in seinem Konzert bis in die 1970er Jahre zurück. „Frieden im Land“ , damals wie heute aktuell, oder das gegen Rechtsextremismus aufbegehrende „Sag Nein“ begeistern immer wieder.

Dabei unvorstellbar: Konstantin Wecker ohne Klavier. Ob brachial, ob zart – der Münchner ist ein Grenzgänger, der mit unterschiedlichen Musikrichtungen experimentiert. Leise Percussion, wie hingehaucht, funkige Trompeteneinsätze, rockige Gitarrensoli bis hin zum bayrischen Reggae – seine varientenreiche musikalische Begleitung ist eine optimale Ergänzung zur starken Stimme.

Zwischendurch erinnerte Wecker – hier durchaus ein wenig eitel – an die Zusammenarbeit mit Harry Belafonte, Mikis Theodorakis oder Joan Baez. „Tolle Menschen mit großem Potential. Wir wollten die Welt verändern. Doch wenn ich sie – also die Welt – mir heute betrachte: Ich war’s nicht.“ Selbstironisch gab er in „St. Adelheim“ Einblick in die Zeit seiner Kokainsucht und Inhaftierung. „Niemand kennt sich in der Kunst des Scheiterns so aus wie ich.“

Mal zornig und engagiert, mal berührt und erheitert

Geburt 1.6.1947 in München

Studium
Ab 1970 Studium der Philosophie und Psychologie.

Karriere
Schon in früher Jugend erste Auftritte. Seit 1972 beständige Arbeit als Musiker, Pianist und Schauspieler in diversen Sexfilmen.

Verhaftung
1995 wegen Kokainkonsum verhaftet. 2000 auf Bewährung frei gelassen. Seitdem Aufarbeitung seiner Drogenzeit.

Doch er ist wieder da, engagiert, zornig und analytisch wie damals. Titel wie „Empört Euch“ oder „Ansprache an Millionäre“, die Vertonung eines Gedichtes, des von Wecker hoch geschätzten Erich Kästner, zeigen das. Seine kraftvolle Stimme ist schmeichelnd, zornig und sarkastisch. Er jongliert mit Wörtern und Formulierungen, ist ironisch und nachdenklich, berührt und erheitert.

Neben eigenen Gedichten fließen immer wieder Verse von Brecht, Rilke und Kästner ein, die Wecker beeinflussten und die er musikalisch umsetzte. Stimmlich und physisch beherrschte er mit seinem abwechslungsreichen Programm problemlos die Bühne. Er ist ein wortreiches musikalisches Kraftpaket, das die Zuhörer erst nach viel Applaus und Zugaben von der Bühne ließen.

 

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