Von Friedemann Bräuer
Das TVB-Urgestein Lothar Volke feiert mit Ehefrau Hannelore die Eiserne Hochzeit.
Langerfeld. „Meine eiserne Lady“, sagt Lothar Volke (86) und sieht seine Hannelore (85) zärtlich an – die beiden feiern am 8. Februar die „Eiserne Hochzeit“. Der 8. Februar 1947, das Ehedatum, weckt zwiespältige Erinnerungen. Der Zweite Weltkrieg war noch keine zwei Jahre vorbei, alles lag noch in Trümmern, und Hannelore Volke weiß noch: „Es war eine schreckliche Hochzeit. Der Lothar hat das Oberhemd von seiner Konfirmation getragen, und ich habe als Hochzeitskleid ein abgelegtes, umgeändertes Kleid von meiner Tante angehabt.“
Eine funktionstüchtige Kirche gab es in Langerfeld damals nicht, und so kam der Pastor zur Haustrauung in die kleine Wohnung. Das „Festmahl“ war ein Teller Erbsensuppe, die der gegenüber tagende Vorstand des TV Beyeröhde („Mit einem Extrastück Wurst“, so Lothar Volke) beigesteuert hatte. Verständlich, dass das Hochzeitspaar jetzt nach 65 Jahren noch einmal unter angenehmeren Umständen getraut werden möchte. „Wir haben die Hochzeitsgesellschaft und den Pastor in den Kaiserwagen geladen.“ Und so werden die beiden sich schwebend zwischen Oberbarmen und Vohwinkel noch einmal das Ja-Wort geben.
Neben den beiden Töchtern, (ihr Sohn Reinhold ist vor zehn Jahren verstorben), drei Enkeln und zwei Urenkeln werden auch noch die Altersturner des TV Beyeröhde dabei sein, denn an den 1893 gegründeten Turnverein ist Lothar noch länger vertraglich gebunden als an seine Hannelore. „Für 65-jährige Treue“ steht auf der Urkunde, die ihm bereits vor einem Jahr überreicht worden ist.
Handball bei minus 14 Grad auf der Kaiserhöhe
Natürlich sind beide Mitglieder, und Hannelore erinnert sich: „Was habe ich früher oft über die Sportleidenschaft meines Mannes geschimpft, aber heute kann ich nur sagen, dass wir dem Verein menschlich unheimlich viel zu verdanken haben.“
Lothar war früher Turner, Leichtathlet und vor allem Handball-Torwart. Handball wurde damals fast ausschließlich auf dem großen Feld gespielt. Bei dieser Spielart waren fünf von elf Spielern zur Untätigkeit verurteilt, weil immer nur mit fünf angegriffen oder verteidigt werden durfte. Mit dickem Pullover, Knieschonern und Stepphose stand Lothar Volke im Tor. „Natürlich wurde bei jedem Wetter gespielt. 14 Grad minus auf der Kaiserhöhe gegen TuS 99 war mein persönlicher Kälterekord.“
Trikots wurden aus Weizensäcken gefertigt – und eingefärbt
Und da war noch die Geschichte mit den Trikots. „Unser Vorstand hatte einen guten Draht zur Firma ,Säcke-Busche’ und hat einen Packen Weizensäcke aus feinem Stoff organisiert. Da haben unsere Frauen dann Trikots draus geschneidert.“ Die waren allerdings nicht – wie die Vereinsfarben – rot, sondern weiß. „Wir haben sie eingefärbt, und beim ersten Spiel hat es unheimlich geregnet. Und unter der Brause sahen wir dann alle aus wie Rothäute.“
Als sich für die Volkes die Gelegenheit zum preiswerten Hauskauf in Schwelm „An der Rennbahn“ an der Grenze zu Langerfeld ergab, da griff man zu. Der Umzug sollte an einem Wochenende stattfinden. „Da konnte ich natürlich nicht spielen“, dachte Lothar. „Klar, spielst Du. Wir helfen alle am Samstag mit, und Sonntag stehst Du im Tor“, wurde dem starken Keeper kurz und bündig beschieden. „Da kam die gesamte Truppe am Samstag und hat angepackt. Und sogar das Bier haben sie sich selbst mitgebracht.“
Das war vor 56 Jahren, als Lothar Volke noch Werkzeugmacher bei „Coroplast“ in Nächstebreck war. Das, was der TVB ihm und seiner Frau im Laufe der Jahre gegeben hat, gab Lothar dem Verein auch zurück, fungierte als Abteilungsleiter und Vorstandsmitglied. „Und mit 73 Jahren habe ich noch eine Jugendgruppe nach Taragona begleitet. Da haben wir Beach-Handball gespielt. Wie üblich wollte keiner ins Tor. Da habe ich mich noch mal im Sand zwischen die Pfosten gestellt und noch ein paar richtig harte Schüsse gehalten. Die haben sich alle gewundert.“ Heute spielt der rüstige Senior noch allwöchentlich zunächst Tischtennis und danach Prellball, außerdem singt er auch noch im Beyeröhder Shanty-Chor. „Aber da ist inzwischen eine hohe Schwundquote zu verzeichnen.“
Das Ehepaar strahlt tiefe Harmonie aus
Tiefe Harmonie strahlt das Ehepaar aus. „Und wir sind dankbar für jeden Tag, den wir noch miteinander verbringen dürfen“, sagt Hannelore Volke und schaut liebevoll zu ihrem Lebensgefährten.



