Erlöserkirche oder Wichlinghauser Kirche? Die Gemeinde muss sich von einem Haus trennen. Sie hat kein Geld.

Kirchen Errlöserkiche Wichlinghauser Kirche
Großbild Archivfotos: Kurt Keil, Andreas Fischer

Die Erlöserkirche an der Stahlstraße und die Wichlinghauser Kirche am Wichlinghauser Markt werden von der Gemeinde zum Verkauf angeboten. Die Gemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck kann sich nicht länger beide Gotteshäuser leisten.

Wuppertal. Die Wichlinghauser Kirche mit ihrer zentralen Lage direkt am Wichlinghauser Markt wie auch die Erlöserkirche prägen ihren Stadtteil, und in ihnen stecken Erinnerungen an Hochzeiten, Taufen und Gottesdienste. Jetzt werden die beiden Kirchen als „besondere Immobilie“ und „Immobilie mit Geschichte“ im Internet zum Verkauf angeboten.

Aus finanziellen Gründen kann die Evangelische Gemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck nicht beide unter Denkmalschutz stehenden Großkirchen behalten. Deshalb soll eines der Gebäude vermarktet werden. In Wuppertal gibt es einige Beispiele für Kirchengebäude, die mittlerweile einen anderen Zweck erfüllen. (s. Kasten)

„Dass eine der beiden Kirchen zur Disposition steht, steht seit mehreren Jahren fest“, sagt Pfarrer Thomas Kroemer. Längst deckten die Einnahmen die Ausgaben der Gemeinde nicht mehr. Die Folge sei ein strukturelles Defizit im hohen fünfstelligen Bereich. Die Finanzsituation hat bereits spürbare Folgen in der Gemeinde hinterlassen: In den vergangenen 15 Jahren seien unter anderem 4,5 Pfarrstellen abgebaut und drei Kindergärten geschlossen worden.

2006 wurden die Gebäude bereits angeboten

Über die Verkaufspläne habe das Presbyterium mehrfach berichtet. „Natürlich tut so ein Verkauf sehr weh“, sagt Pfarrer Kroemer. Dennoch kann er nicht verstehen, dass protestiert wird, sobald es um ein Gebäude geht. „Ich hätte lieber schon eine Kirche verkauft, als die Stellen einzusparen.“ Bereits 2006 hat die Gemeinde die Gebäude kirchlichen Institutionen im Rheinland und in Wuppertal angeboten – ohne Erfolg. Mittlerweile haben sich nach der Anzeige schon mehrere Interessenten bei der Gemeinde gemeldet.

„Unser Ziel ist es natürlich, eine Lösung zu finden, bei der uns eine Entwidmung erspart bleibt. Aber es kann auch sein, dass das nicht gelingt“, sagt Kroemer. Grundsätzlich käme zum Beispiel eine Nutzung für Gastronomie oder Veranstaltungen infrage. Denkbar wäre auch, dass das zur Kirche gehörende Grundstück gesondert genutzt wird. Das gilt besonders für die große und sehr zentral gelegene Fläche rund um die Wichlinghauser Kirche.

Die Gemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck gehört mit knapp 8000 Mitgliedern zu den großen in der Stadt. Zur Gemeinde gehört auch die Hottensteiner Kirche. In der Erlöserkirche und in der Wichlinghauser Kirche finden die Gottesdienste im Wechsel statt.

Die Bonhoeffer-Kirche in Barmen wird in ein Gebäude mit 15 Wohnungen verwandelt. Auch die Kreuzkirche in Langerfeld wurde zu Wohnraum. Weitere Beispiele sind die Umnutzung der Immanuelskirche (kulturelle Veranstaltungen), der Trinitatiskirche (Verkauf von Orgeln), der Pauluskirche Unterbarmen (Büchermarkt und Vorlesungssaal) und der Hauptkirche in Unterbarmen (Gemeindezentrum).

Bisher seien die Gespräche allerdings noch sehr vage. Auch die Möglichkeit einer Vermietung oder Erbpacht sei noch nicht ausgeschlossen.

Da die Gemeinde Eigentümerin ist, kann sie über die Zukunft der Kirche entscheiden. Bei einem Verkauf müsste allerdings der Kirchenkreis Stellung nehmen, und die Landeskirche müsste ihn genehmigen.

» Ist es richtig, dass die Gemeinden ihre Kirchen verkaufen?

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