Nur keine falsche Zurückhaltung: Mit Pfiffen, Bravo-Rufen und Fußgetrampel quittierten die begeisterten Zuhörer das Familienkonzert der Sinfoniker.
Wuppertal. Solchen Beifall hat es im Großen Saal der Stadthalle nicht oft gegeben: lautes Fußtrampeln, Pfeifen, Bravo-Schreie aus kindlichen und erwachsenen Kehlen. Die Begeisterungsstürme galten dem Wuppertaler Sinfonieorchester unter Evan Christs rührigem Dirigat und Paul Rissmann, dem Moderator des jüngsten Familienkonzertes.
Provoziert wurden sie durch die temporeiche Vorstellung der Themen aus dem Film "Star Wars" von John Williams als "Rausschmeißer". Die schmetternden Blechbläser und auftrumpfenden Beckenschläge waren allerdings für viele sensible und unverbildete Kinderohren zu laut und nur mit Fingern in der Ohrmuschel zu ertragen.
Dafür wurden die Jüngsten mit Prokofjews "Troika" entschädigt, wo Glöckchen, Schellenrasseln und Triangeln die rasante Schlittenfahrt erlebbar machten. Sogar das Gleiten der Kufen auf dem Schnee war in den schleifenden Flöten-Glissandi zu hören.
Im Mittelpunkt aber standen die "Toy Stories", Erlebnisse aus dem weihnachtlichen Spielzeugland. Ins Petersburg vor 175 Jahren entführte Rissmanns packende Moderation zu Igor Strawinskys Ballettmusik "Petruschka" die Wuppertaler Kinder. Wie ein Zauberer die Puppen zum Leben erweckt, erzählt der Text, und Rissmann ließ Orchestersignale und schwierige Rhythmen als Textzeilen vom jungen Publikum mitsprechen, so dass das wiedererkennende Hören im Orchesterspiel leicht fiel.
Im "Volksfest"-Satz war die Drehorgel-Melodie der Klarinette mit quietschender Flöte als ungeölte Leier ganz selbstverständlicher Bestandteil der moderat modernen Musik. Auch der "Streit" um die schöne Ballerina zwischen Petruschka und seinem Widersacher, dem Mohr, der sich in schrägen Harmonien der Streicher und wüstem Bläserchaos spannungsreich steigert, nahmen die Kinder wie notwendig zur erklärenden Erzählung.
Natürlich durften Sätze aus Tschaikowskys Nussknacker-Suite im bunten Kolorit nicht fehlen: die sanfte Celesta-Glocken-Melodie im "Tanz der Zuckerfee" oder der rasche Bauerntanz "Trepak" mit Flöten-Solo und gezupften Streichinstrumenten.
Nach den Ausflügen in den russischen Winter ging es mit "O Tannenbaum" zurück in die deutsche Weihnacht: Das Mitmach-Stück mit einem Intro, im amerikanischen Stil von Rissmann komponiert, war die beste Generalprobe für das Singen und Spielen mit der ganzen Familie unter dem Weihnachtsbaum.
Als Schulkonzert wird das Programm am 19. Dezember um 11 Uhr in der Stadthalle wiederholt.
Das nächste Familienkonzert hat das Motto "Junge Solisten": Am 24. April, 11 Uhr, spielen Kathy Kang (Violine), Moritz Görg (Trompete, Piccolo-Trompete) in der Stadthalle zusammen mit dem Sinfonieorchester. Die Leitung hat Enrico Delamboye.
www.sinfonieorchester-wuppertal.de
19.12.05Von Veronika Pantel

