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FERNSEHEN

Wo zwei sich streiten, freut sich der Zuschauer: Dietmar Schönherr und Eva Pflug 1966 auf dem "Raumschiff Orion". (Foto: WDR)

TV-Lexikon: Zappen ohne Umschalten
7000 Sendungen auf 1500 Seiten: Das erste Lexikon über all die Serien, Shows und Magazine im deutschen Fernsehen.

Düsseldorf. Wenn sich das Partygeplauder nur noch müde dahinschleppt, hilft oft nur ein Thema zur Belebung des Abends: die gemeinsamen Fernseh-Erinnerungen. Schon ist jeder hellwach, bilden sich "Fury"und "Flipper"-Gruppen, schwelgen die einen in "Bonanza", die anderen in "Percy Stuart" und "Hiram Holliday".

Aber wie hieß noch mal der ältere Herr, der Percy bei seinen Abenteuern um die Welt begleitete? Horst Keitel als Reginald Prewster war`s. Und welchen bürgerlichen Beruf hatte der detektivische Graf Yoster? Er war passenderweise Krimi-Autor. Wieso ist die unbeliebte Tamara Jagellosvsk (Eva Pflug) überhaupt zur "Raumpatrouille Orion" gekommen? Der Galaktische Sicherheitsdienst GSD hat sie geschickt, weil Commander Allister McLane (Dietmar Schönherr) so eigenmächtig durchs Weltall gekurvt ist.

Über diese Fragen muss man nicht mehr lange streiten, das alles lässt sich jetzt schnell im "Fernsehlexikon" nachlesen.
>Die Journalisten Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier haben sechs Jahre lang an dem Rundumschlag geschrieben, der bis ins Jahr 1952 zurückgeht. Sie haben sich für das rund zwei Kilo schwere Werk sogar Beschränkungen auferlegt: Berücksichtigt wurden laut Bedienungsanleitung Sendungen, die mindestens drei Teile hatten, in einem Vollprogramm liefen und "auch nur halbwegs wichtig waren". Das ist einerseits ausgesprochen schwammig und andererseits auch egal.

Denn die gut 7000 Eintragungen zu Serien, Shows, Filmen und Magazinen bieten hin wie her einen wunderbaren Fundus zum Schmökern und Staunen. Dort steht, wer im Laufe der Jahre "Panorama" moderiert hat und welche Schicksalsschläge den "Drei Damen vom Grill", "Diesen Drombuschs" und dem "Denver-Clan" widerfuhren. Guido Knopps überschäumende Produktivität in der Hitler-Aufarbeitung sieht man mal auf einen Blick. Ein für alle Mal wird auch klar gestellt, dass nicht Hanni Vanhaiden bei "Plumpaquatsch" gesessen hat, sondern Susanne Beck.

Die Autoren spicken ihr Lexikon mit liebevollen Details wie dem "Klimbim"-Lied in voller Länge und scheuen auch keine süffisante subjektive Kritik. Dafür muss man andererseits verschmerzen, dass manche Serien bestürzend zu kurz kommen.

Dies ist ein Fernsehbuch, das zum (TV-)Abschalten verleitet: Wer das gewichtige Werk einmal aufgeschlagen hat, kann mit dem Zappen ohne Fernbedienung so schnell nicht wieder aufhören.

Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier: Das Fernsehlexikon; Goldmann-Verlag, 1512 S., 49,90 Euro

19.12.05
Von Anne Grages