Richter Edwin Pütz übernimmt nun auch die Leitung der neuen Jugendarrestanstalt in Gerresheim. Der erzieherische Aspekt steht im Mittelpunkt.
Düsseldorf. Über mangelnde Arbeit kann sich Jugendrichter Edwin Pütz derzeit nicht beklagen. Der 41-Jährige leitet die neue Jugendarrestanstalt in Gerresheim. Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter ernannte Pütz bereits im November zum Chef der Einrichtung an der Heyestraße. Bis zu 60 jugendliche Häftlinge können in Zukunft dort untergebracht werden die Mädchen werden in der Anstalt Wetter bei Oberhausen untergebracht.
Bislang mussten die 14- bis 22-jährigen Delinquenten ihren Arrest in Remscheid abbrummen. Dort platzte das Gebäude aus allen Nähten, teilweise dauert es sechs Monate, bis die jungen Männer ihren Arrest antreten konnten. "Viel zu lange", betont Pütz. Bis 1991 war das Gerresheimer Gefängnis schon einmal eine Jugendarrestanstalt, dann wurde es als JVA-Zweigstelle genutzt. Nun werden die Gerresheimer Untersuchungshäftlinge in der Ulmer Höh' untergebracht.
Der neue Gefängnischef ist jedoch weiterhin als Jugendrichter im Amtsgericht Mühlenstraße tätig. Sowohl die Arbeit in der Arrestanstalt als auch sein Dienst als Jugendrichter werden ab Januar jeweils halbe Stellen sein, eine Geschäftsabteilung im Jugendgericht gibt er an eine Kollegin ab.
Was ist das für ein Gefühl, wenn man viele der Jugendlichen, die man zuvor zum Arrest verurteilte, im Gefängnis wieder trifft? "Eigentlich könnte ich sie direkt aus dem Gerichtssaal mitnehmen", scherzt er. "Eine paar Tage dauert es bis zur Zustellung der Ladung aber dann doch noch." Im Jugendrecht sei es vorgeschrieben, dass ein Richter die Jugendarrestanstalt leite.
Der Posten in Gerresheim werde viel Zeit in Anspruch nehmen, betont Edwin Pütz. "Eigentlich müsste ich mit jedem der Häftlinge ein Aufnahmeund ein Entlassungsgespräch führen", sagte er. Nicht immer findet er jedoch die Zeit, "doch für alle, die mich sprechen wollen, bin ich erreichbar".
Beim Jugendarrest steht laut Pütz in erster Linie der erzieherische Aspekt im Mittelpunkt. Er wird entweder als Freizeitarrest am Wochenende, für zwei bis vier Tage oder als Dauerarrest bis zu vier Wochen verhängt. "Er soll beim Jugendlichen das Gefühl dafür wecken, dass er für sein Unrecht einstehen muss." Besonders wichtig ist dem Richter, dass die jungen Männer dort nicht nur verwahrt, sondern auch sinnvoll beschäftigt werden.
Unter seiner Führung wurden bereits eine Holz- und eine Metallwerkstatt eingerichtet. Die Umbauarbeiten wurden ohne großen Kostenaufwand von den Kurzzeithäftlingen selbst durchgeführt. Demnächst soll es ein soziales Training und Sportangebote auf dem benachbarten Trainingsgelände geben. In einem so genannten Punktesystem können sich die Insassen durch gute Führung gewisse Sondervergünstigungen erwerben. "Wenn man seine Mitarbeiter motiviert, kann man auch etwas machen." 20 Justizvollzugsangestellte werden ihn dabei unterstützen.
Der Umbau des Gefängnisses in die Jugendarrestanstalt gehört zu einem Neustrukturierungsprogramm in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Projekt soll der Kinderund Jugendkriminalität vorgebeugt werden. "Der Arrest ist für viele die erste Begegnung mit dem Entzug der Freiheit und dadurch ein spürbarer Einschnitt in das Leben", sagt die Justizministerin Müller-Piepenkötter.
28.12.05Von Kathrin Handschuh



