0 0
stellen
auto
immobilien
marktplatz
tiere
reisen
inserieren
HomeKulturMusikBackstage
INTERVIEW

Angelo Branduardi vereint in seinem neuen Bühnenspektakel "Die Laude des Heiligen Franziskus" mittelalterliche Klänge mit Schauspiel, Tanz, Poesie und Pop.

Angelo Branduardi: Moderner Minnesänger
Der Italiener über sein neues Projekt.
Düsseldorf. Angelo Branduardi gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Musikern Italiens. Der friedensbewegte Wuschelkopf will mit seiner verträumten Stimme, romantischen Violinklängen und magischen Geschichten über Natur und Legenden den Glanz der italienischen Renaissance beschwören. Den größten Erfolg erlangte er mit Hits wie "La Pulce d`Aqua" und der Filmmusik zu Michael Endes "Momo". In seinem neuen Bühnenspektakel "Die Laude des Heiligen Franziskus" vereinen sich mittelalterliche Klänge mit Schauspiel, Tanz, Poesie und Pop.

Frage: Die "Laude" war ein volkstümliches Loblied auf Gott oder Maria und entstand unter Einfluss des Gründers des Franziskanerordens Franz von Assisi. Ist "Die Laude des Heiligen Franziskus" Ihr Glaubensbekenntnis?
Angelo Branduardi: Die Tatsache, dass ich diese Laude spiele, muss nicht zwangsläufig heißen, dass ich religiös bin. Wir führen ein historisches Stück auf und keine Messe. Ich bin aber auf jeden Fall ein spiritueller Mensch. Ob ich gleichzeitig auch gläubig bin, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich würde es gerne sein, aber ich stecke voller Zweifel. Das ist etwas ganz Normales.

Frage: Franz von Assisi lebte von 1181 bis 1226 und wurde nach seinem Tod von Papst Gregor IX heilig gesprochen. Welche Bedeutung hat der Heilige Franziskus für die heutige Gesellschaft?
Branduardi: Selbst 800 Jahre nach seinem Tod wirkt er mit seinen Ideen noch sehr modern. Franziskus liebte die Natur und die Tiere. Als er seinen Todfeind, den Sultan von Babylon, traf, war das etwas Unglaubliches. Als ob sich George Bush mit Saddam Hussein zum Abendessen verabredet hätte. Aber vor allem war Franziskus der erste Dichter, den die italienische Literatur jemals hervorgebracht hat. Sein "Sonnengesang" markiert den Beginn unserer Dichtung. Jedes Kind in Italien kennt Franziskus und noch immer lassen sich junge Künstler von ihm inspirieren.

Frage: Kommt das Thema auch bei Nicht-Katholiken an?
Branduardi: Wir präsentieren die wichtigsten Stationen aus Franziskus` Leben. Wer zu unseren Shows kommt, wird darin etwas Neues und Eigenartiges entdecken. Die Protestanten wissen natürlich nicht viel von Franziskus, aber die Konfession spielt ohnehin keine Rolle. Letztes Jahr traten wir mit der Laude sogar beim Internationalen Jüdischen Kongress in Genf auf. Wer neugierig ist, wird definitiv überrascht werden, nicht nur von der Show, sondern auch von der Geschichte. Alles, was wir sagen, stammt Wort für Wort aus der Zeit des Heiligen Franziskus. Wir haben nichts dazu erfunden.

Fragen: Wie haben Sie recherchiert?
Branduardi: Ich habe die Biografie "Le Fonti Francescane" intensiv gelesen, das ist fast schon eine Franziskanische Bibel von nicht weniger als 1500 Seiten mit seinen eigenen Schriften und denen seiner Gefolgsleute. Sämtliche Texte unserer Laude stammen aus dem Buch. Das Publikum bekommt also etwas Authentisches zu hören und wir werden das Ganze sogar auf Deutsch vortragen. Auf der Bühne agieren 20 Leute, Minnesänger, Musiker, Schauspieler und Tänzer. Die Hauptfiguren Franziskus, Klara und Bernardo werden von kostümierten deutschen Schauspielern dargestellt, während ich das Bühnengeschehen auf Deutsch kommentiere und meine Lieder auf Italienisch singe. Für jedes Lied liefern wir eine Übersetzung mit. Wenn das Publikum die Worte nicht verstehen würde, würde das Ganze keinen Sinn machen.

Fragen: Spielen Sie auf historischen Instrumenten?
Branduardi: Natürlich. Wir werden vier Musiker sein, so wie es damals üblich war. Ich selber spiele diverse Flöten, die Harfe, Gitarren, Piano und die Violine. Meine Musik war immer von der Klassik beeinflusst, aber sie hat nichts mit dem Sound des Mittelalters zu tun, das wäre grotesk. Ich liebe alte Musik viel mehr als das moderne Zeug. Die Laude ist im Übrigen die Mutter aller Opern. Sie ist im 13. Jahrhundert in Italien entstanden und ohne sie wären großartige Komponisten wie Wagner, Verdi und Puccini nicht möglich gewesen.

Frage: Das Mittelalter hat eine große Anziehungskraft. Wie kommt`s?
Branduardi: Wir leben in einer Krisenperiode. Die Menschheit befindet sich in einem gefährlichen Moment. Deshalb gehen die Leute zurück in die Vergangenheit und suchen dort nach etwas Neuem. Das ist natürlich paradox. Ich nenne das Phänomen "alte Zukunft".

Konzerte:
Donnerstag, 9. Februar, Konzerthaus Dortmund
Dienstag, 14. Februar, Tonhalle Düsseldorf
Mittwoch, 15. Februar, Philharmonie Köln
Donnerstag, 16. Februar, Brückenforum Bonn

  • Karten gibt es unter: 040 / 4 13 22 60 oder 01805 / 62 62 80 oder im Internet unter www.karsten-jahnke.de

    19.01.06
    Von Olaf Neumann
  •  
     
    Fotogalerie
    106 Jahre und kein bisschen müde: Johannes Heesters steht in Berlin gemeinsam mit der ehemaligen "Dschungelcamp"-Bewohnerin Caroline Beil in Rolf Hochhuths "Inselkomödie" auf der Bühne.  mehr...

    Fotogalerie
    Die Büste von Dichter Heinrich Heine ist Mittwochmittag vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in der Walhalla bei Regensburg enthüllt worden.  mehr...
    IHRE WZ NEWSLINE DIENSTE
    Fotogalerie
    Mit der «Lohengrin»-Inszenierung von Hans Neuenfels wurden die 99. Richard-Wagner-Festspiele - die ersten nach dem Tod Wolfgang Wagners - am Sonntag eröffnet.  mehr...
    Fotogalerie
    Beim Amphi-Festival am Kölner Tanzbrunnen haben am Wochenende 16000 Gothic-Freunde in fantasievollen Kostümen gefeiert.  mehr...
    Fotogalerie
    Day of Song: 60.000 Menschen machten die Arena in Gelsenkirchen am Samstagabend zum riesigen Chorsaal.  mehr...
    Fotogalerie
    Lena hat den Eurovision Song Contest gewonnen. 28 Jahre nach dem Sieg von Nicole mit «Ein bißchen Frieden» hat wieder eine junge Sängerin für Deutschland den Grand Prix geholt.  mehr...
    Fotogalerie
    Von Freitag bis Pfingstmontag fand in Düsseldorf die Jazz Rally statt, bei der wieder alle Spielarten des Jazz geboten wurden.  mehr...
    Fotogalerie
    Ein schwarzer Tag für Millionen von Fans: Am 10. April 1970 wurden die Ausstiegspläne von Paul McCartney öffentlich.  mehr...
    Fotogalerie
    Zahlreiche Fachjournalisten, Produzenten und bekannte Musikgrößen sind sich einig: The Strokes haben mit ihrem Album "This Is It" die bisher beste Platte des Jahrzehnts hingelegt.  mehr...
     
    Rom. Es ist ein sonniger Morgen auf dem Playa de Catalunya, der 1989 das Leben des Ilan Fernandez von Grund auf verändert. Schwerbewaffnete Polizisten stoppen in Barcelona den Ferrari des Kolumbianers und bringen den Mann, der eine einzigartige Verbrecherkarriere hinter sich hat, hinter Gitter. „Ich hätte nie gedacht, dass...  mehr...