Die Sparkassen-Geschäftsstelle in Traar kurz nach dem Überfall: Polizeibeamte sichern Spuren im Gebäude.
Zwei Gangster mit abgesägten Schrotflinten erbeuten rund 200 000 Euro in der Sparkasse in Traar, nachdem sie zehn Angestellte und Azubis gefesselt hatten.
Als die Mitarbeiter und Auszubildenden der Sparkassen-Geschäftsstelle Traar gestern zwischen 7.55 und 8.30 Uhr nacheinander in die Hexenfratze blickten, war ihnen sofort klar, dass hier keine Möhne den traditionellen Altweiberspaß am Veilchendienstag vorgezogen hatte.
Sie schauten nämlich auch in den Lauf einer abgesägten Schrotlinte und hörten immer wieder denselben Spruch in akzentfreiem Hochdeutsch: "Das ist ein Überfall. Verhalten Sie sich still, dann passiert nichts." Die Sparkassen-Zweigstelle an der Moerser Landstraße hatte gestern, am Monatsletzten, nicht nur viel Geld im Tresor, sondern auch viele "Mann an Bord". Zum Stammpersonal kamen mehrere Auszubildende.
In einer knappen halben Stunden nahmen zwei Bankräuber zehn Mitarbeiter gefangen: Einer der Gangster empfing sie, der zweite, ebenfalls hinter einer Hexenmaske mit zotteligem schwarzen Haarschopf verborgen, fesselte sie mit handelsüblichem Paketklebeband und bewachte sie in einem Nebenraum. Als keiner mehr zu erwarten war, zwangen sie kurz vor Geschäftsbeginn um 8.30 Uhr den Zweigstellenleiter, den Tresor zu öffnen.
Rund 200 000 Euro stopften die beiden mit "Blaumännern" und schwarzen Handschuhen bekleideten Täter in eine schwarze Sporttasche ohne Aufdruck. Dann verließen sie das Gebäude durch den Hintereingang und nahmen vermutlich den Fußweg zum Parkplatz an Friedhof und Kirche. Um 8.34 Uhr hatten die Gefangenen sich des Klebebandes entledigt und Alarm ausgelöst.
Wann die Bankräuber (um die 30 Jahre alt, jeweils 1,80 Meter groß) in das Gebäude eindrungen waren, steht nicht fest. Fest steht allerdings, dass ihnen nicht allzu große Hindernisse im Weg standen: Sie mussten nur ein Gitter entfernen und ein Kellerfenster aufbrechen. Dann warteten sie ab, bis der erste Mitarbeiter die Geschäftsstellentür aufschloss und damit die Alarmanlage entschärfte. Polizeisprecher Dietmar Greger: "Die Täter gingen ruhig und professionell vor."
Ulrich Topoll, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Krefeld, bestätigte auf WZ-Anfrage, dass die Nebenräume nicht mit einer Alarmanlage gesichert waren. Er wies gleichzeitig darauf hin, dass in anderen Geschäftsstellen schon versucht worden sei, Wege ins Innere durch aufgebrochene und dann wieder notdürftig verschlossene Türen und Fenster von Kellern und Nebenräumen vorzubereiten.
"Unsere Mitarbeiter sollen verstärkt darauf achten, dass alle Türen und Fenster intakt sind", so Topoll. Sein Anliegen war es, dass alle vom Überfall betroffenen Mitarbeiter noch am Nachmittag von einem Psychologen angehört wurden: "Wie sind sie drauf, wie sehr haben sie gelitten?" Die Traarer Geschäftsstelle blieb den ganzen Tag geschlossen. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, setzte die Sparkasse sofort eine Belohnung von 5000 Euro aus.
Die Ringfahndung brachte die Erkenntnis, dass die Bankräuber mit ihrem unbekannten Fluchtfahrzeuge über die A 57 in Richtung Köln geflüchtet sein müssen. Denn am Ende der Autoauffahrt Gartenstadt hinter der rechten Leitplanke entdeckten Polizeibeamte die beiden blauen Overalls und zwei Paar schwarze Schuhe. Sie sind offenbar aus einem fahrenden Wagen geworfen worden. Die Masken sind nicht aufgetaucht.
Die Polizei sucht nun Zeugen, die verdächtige Personen in den vergangenen Tagen an der Geschäftsstelle Moerser Landstraße 413 oder gestern ein verdächtiges Fahrzeug auf dem Weg zwischen Parkplatz am Friedhof, An der Elfrather Mühle, Rather und Werner-Voß-Straße beobachtet haben. Hinweise unter Ruf 634-0.
01.03.06Von Alexander Alber

