Die vorzeitige Rückkehr des Bundestrainers hat die Gemüter im sensiblen Fußball-Deutschland nur kurzzeitig beruhigt.
Dortmund. Der Spießrutenlauf von Jürgen Klinsmann geht weiter. Ausgerechnet in Dortmund steht am 22. März das nächste Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft an. In dem Stadion, in dem beim Bundesliga-Spiel des BVB gegen Mainz 05 und wenige Tage nach dem Rauswurf von Christian Wörns aus der Nationalelf die Stimmung gegenüber dem Bundestrainer kaum feindlicher hätte sein können.
Während sich Jürgen Klinsmann derzeit mit ganz andern Dingen beschäftigt, wie etwa mit der Vorbereitung auf das morgige Spitzengespräch mit Franz Beckenbauer und Bundeskanzlerin Angela Merkel, versucht der DFB alles, um die heile Welt zu retten. Aufrufe an die Dortmunder Zuschauer zur Fairness sind ja noch nachvollziehbar. Aber Transparente zu verbieten, auch denen Klinsmann-feindliche Parolen stehen, geht dann doch zu weit.
Das sieht der DFB anders. Überlegungen, das Spiel zu verlegen, wurden aber zum Glück sofort wieder verworfen. "Ich habe Angst. Es ist ganz eine unglückliche Konstellation", meinte DFB-Vizepräsident Rolf Hocke. Der DFB fürchtet bei eventuell negativem Spielverlauf gegen das Team der USA Unmutsäußerungen und Schmährufe gegen Klinsmann. "Es ist bei allen Länderspielen üblich, dass Transparente mit politischem genauso wie Transparente mit beleidigendem Inhalt nicht erlaubt sind. Allerdings gehen wir davon aus, dass die Nationalelf, wie immer in Dortmund, vorbildlich unterstützt wird", sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger auf Nachfrage.
In den Fan-Foren von Borussia Dortmund im Internet wird die Zensur der möglichen Anti-Klinsmann-Plakate aber eifrig diskutiert. DFB-Pressechef Stenger kündigte zudem, dass man offen auf die Dortmunder Fans zugeht und mit einem öffentlichen Training im Stadion am Tag vor dem Spiel eine Annäherung versuchen wolle.
Vielleicht gelingt es Jürgen Klinsmann im Vorfeld des Spiels einerseits, das nötige Gespräch mit Wörns nachzuholen und andererseits mit einer eindeutigen Aussage zu seiner Trainerphilosophie (jüngere Spieler zu bevorzugen) die Wogen zu glätten. Der kluge Schachzug, mit Christoph Metzelder und Sebastian Kehl, der längere Zeit im DFB-Aufgebot gefehlt hat, zwei Dortmunder von Anfang an auflaufen zu lassen, könnte ebenfalls zur Beruhigung beitragen. Nach der letzten Pleite in Italien sollte der derzeit konstant gut spielende Kehl auch kaum negativ auffallen.
Jürgen Klinsmann ist immer noch sauer. "Es ist unvorstellbar, was in Deutschland mittlerweile abgeht. Ich bin ja happy, dass es in Deutschland Millionen Bundestrainer gibt. Das soll auch so bleiben. Aber ich richte auch nicht über jemanden, den ich nicht kenne. Das ist respektlos", polterte Klinsmann, der sich zur Wehr setzen will. "Um es mal wie ein Schwabe auszudrücken: Dann gibt es volles Brett zurück."
14.03.06Von Norbert Krings


Städte & Musicals

