Als "Gigantismus" betrachten die Gründer der Bürgerinitiative Innenstadt die geplante Windhövelpassage und sehen sich mit ihrer Skepsis nicht alleine.
Haan. Gegen die Windhövelpassage, auf jeden Fall in der Planungs-Form, wie sie bisher vorgestellt wurde, formiert sich Widerstand in Haan. In der vorigen Woche hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich als Ziel gesetzt hat, ein Einkaufszentrum in dieser Größenordnung zu verhindern.
"Das ist Gigantismus. Das kann nur über einen Verdrängungswettbewerb laufen", äußert Hans-Peter Bretschneider eines der Argumente gegen die Pläne des Düsseldorfer Investors ITG.
Neben Bretschneider, der sich lange Zeit als FDP-Vorsitzender in der Haaner Lokalpolitik engagiert hat, gehören auch Klaus Scharrenberg und Eberhard Röhricht dem Vorstand der Bürgerinitiative Innenstadt an. Scharrenberg ist ehemaliges CDU-Ratsmitglied und hat öfter den Wahlkampf der CDU in Haan organisiert.
Ihre Gemeinsamkeit betonen die drei Gründungsmitglieder in ihrer tiefen Verwurzelung in Haan. "Ich finde die Entwicklung in Haan nicht gut", sagt der Ur-Haaner Scharrenberg. "Den gemütlichen Gartenstadtcharakter gibt es kaum noch. Und den Höhepunkt stellt jetzt eben die Bebauung des Schillerparks dar."
Röhricht, Wahlhaaner seit 1969, sieht die nun geplante Windhövelpassage als "völlig überzogen für Haan" an.
Mit insgesamt 15 Bürgern haben die drei Haaner nun die Bürgerinitiative gegründet, wollen Unterschriftenlisten in den Geschäften der Innenstadt auslegen und den Geschäftsführer der ITG, Horst Jütte, zum Gespräch einladen.
Die für sie mangelhafte Informationspolitik des Investors und der Stadt empfinden die Gründer der Initiative als "Verschaukelung". "Für uns ist nicht klar, wie sich das alles für die ITG rechnen soll", so Bretschneider.
Die Befürchtung der Initiative ist, dass durch die ITG Geschäftsinhaber aus der Haaner Innenstadt in die Passage geholt werden. "Wir kennen konkrete Fälle, in denen Einzelhändler angesprochen wurden", so Scharrenberg.
Von zusätzlicher Kaufkraftbindung könne so keine Rede sein. Klar sei der Bürgerinitiative, dass generell eine Bebauung im Bereich des Windhövels nicht zu verhindern sei.
Ziel sei es aber, "das Objekt in dieser Form zu verhindern". Mit ihrer Skepsis gegenüber dem Einkaufszentrum, das mit rund 9000 Quadratmeter Verkaufsfläche, die der gesamten Innenstadt annähernd verdoppele, sehen sich die Initiativ-Gründer nicht alleine.
"Wir haben den Eindruck, dass der Großteil der Bürger dagegen ist", erklärt Brettschneider. Doch viele direkt Betroffene würden sich scheuen, sich öffentlich dagegen auszusprechen.
Der Druck sei zu groß, vermutet die Bürgerinitiative. Eine Möglichkeit, direkt über die politischen Entscheidungsträger Einfluss zu nehmen, sehen die Männer, die selbst lange Zeit in der Haaner Politik mitgewirkt haben, auch nicht mehr, seitdem die Aufnahme des Bauplanungsverfahrens der Rat einstimmig beschlossen hat.
Brettschneider: "Das Polit-Establishment hat entschieden. Es gab strikte Fraktionsdisziplin, da mussten viele dafür stimmen, die auch skeptisch sind. Wir kennen einige Ratsmitglieder, die unserer Meinung sind."
Mit ihrem Engagement will die Bürgerinitiative nun auf die weitere Planung Einfluss nehmen.
19.04.06Von Andreas Keil

