Der Krefelder Michael Menzel illustrierte das "Das Spiel des Jahres" mit historischen Postkutschen und Amtsleuten.
Krefeld. "Wir sind sehr froh, dass wir mit Michael Menzel einen so tollen Grafiker hatten." Spiele-Autorin Karen Seyfarth, die am vergangenen Montag mit ihrem Mann Andreas für "Thurn und Taxis" die Auszeichnung "Spiel des Jahres 2006" erhielt, brachte es in ihrer Dankesrede auf den Punkt: Ohne atmosphärische Gestaltung wäre selbst die beste Spiel-Idee nur die Hälfte wert. Der Krefelder Michael Menzel illustriert seit drei Jahren freiberuflich Spiele und hat sich bereits als einer der gefragtesten Zeichner der Branche etabliert. Mit dem "Spiel des Jahres" hat er nun den Ritterschlag erhalten.
Bei dieser Blitz-Karriere half der Zufall kräftig mit. Nachdem es der gelernte Gestaltungstechnische Assistent ohne geschäftlichen Erfolg mit Cartoons, Wandmalerei und Ölgemälden versucht hatte, kam er vor dem Regal eines Spielwarenladens mit einem Verlags-Redakteur ins Gespräch.
Menzel erfuhr, dass für ein Manga-Spiel noch der Grafiker gesucht wurde, und sah seine Chance: "Bloß mit Mangas hatte ich bis dahin nie was am Hut gehabt. Also bin ich in die Bücherei gegangen, habe diverse Manga-Bücher ausgeliehen und mir an einem Wochenende den Stil reingeprügelt." Es klappte: Menzel bekam den Zuschlag; und wenn es die Zeit erlaubt, gibt er jetzt sogar Manga-Zeichenkurse für Kinder.
Weitere Aufträge folgten rasch. Begabung allein erklärt den Erfolg des 30-Jährigen jedoch noch nicht. Hinzu kommt seine Persönlichkeit. Menzel geht mit großer Herzlichkeit auf Menschen zu, kommt leicht ins Gespräch.
Sich mit ihm zu unterhalten macht Spaß, und man meint eher einen Kumpel als einen Künstler vor sich zu haben. Allüren sind Menzel fremd: "Es geht ja nicht darum, dass ich versuche, meinen Stil durchzusetzen. Ich muss eine Darstellungsform finden, die dem Spiel entspricht."
Dazu gehört viel Recherche. Schon vor den ersten Entwürfen für "Thurn und Taxis" galt es herauszufinden, wie zeitgenössische Postkutschen und Amtsleute aussahen. "Ich lese mich in jedes Thema gründlich ein und suche nach Abbildungen", erläutert Menzel. Danach geht es an den Computer. Der Illustrator arbeitet zwar ohne Scans und malt vollständig von Hand, dies aber auf einem Grafiktablett.
Das ist eine Art elektronischer Zeichenblock, der das entstandene Bild in den Rechner überträgt. Jeden Schritt kann man leicht wieder rückgängig machen. Was absolut notwendig ist, denn fast immer haben Kunden Änderungswünsche.
Menzel nennt als Beispiel ein Wettflugspiel, bei dem zunächst Autos durchs Weltall düsen sollten. Kaum waren Skizzen erstellt, wollte der Verlag fliegende Haushaltsgeräte. Menzel schickte also Föne und Bügeleisen in den Orbit, aber schlussendlich verlegte sich der Auftraggeber auf fliegende Hexenbesen.
Der Krefelder nimmt`s gelassen: "Die Verlage wissen schon, warum sie bestimmte Sachen ändern wollen. Davon kann man nur lernen. Und die vielen Skizzen sind für mich nicht primär Arbeit. Es ist ein absoluter Traum-Job, gemeinsam solche Ideen auszubrüten und mit Zeichnungen für Spiele Geld zu verdienen. So wie jetzt kann es weitergehen!" Und das wird es ganz gewiss. Menzels Auftragsbücher sind auf Monate prall gefüllt.
Von Udo Bartsch

