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KREIS METTMANN

Neviges/Deutsche Meisterschaften im Schlossöffnen: Nach sieben Sekunden klickt`s
In vier Disziplinen bewiesen die Sperrsportler im Forum Niederberg ihr Fingerspitzenfühl bei den Deutschen Meisterschaften im Schlossöffnen.
Velbert. Blitzschnell bohrt Dieter Ade die schmale, geschwungene Stange aus Metall, die einem Imbus-Schlüssel ähnelt, in die Vertiefung des Türschlosses. Den passenden Schlüssel besitzt er nicht. In alle Himmelsrichtungen dreht und wendet Ade das Werkzeug. Ein helles Klirren erklingt, sobald Metall auf Metall stößt. Nahezu apathisch wirkt Ade, seine Augen fixieren ausschließlich das handelsübliche Türschloss wie man es an vielen Haustüren findet.

Aber: Der Weg zum Erfolg bleibt ihm verschlossen. Zur Klärung: Dieter Ade ist kein Profi-Einbrecher. Er ist "Sperrsportler". Mit weiteren Wettkämpfern ist er am Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft im Schlossöffnen im Forum Niederberg angetreten. "Offen", schallt es durch den Saal. Sieben Sekunden für die "Handöffnung des Zylinderschlosses", die Königsdisziplin.

Völlig gelingt es Ade nicht, sich gegenüber der Außenwelt zu verschließen. Er registriert die Spitzenleistung seines Kontrahenten. Die Nervosität steigt. Hektischer windet er den "Spanner" ins Schloss und kramt den Haken aus dem ledernen Etui. Vergebens. Dabei hatte er doch in der vorigen Runde wie ein Panzerknacker das Schloss nach sieben Sekunden entriegelt.

Ein "kleines Geschenk" zum Schlüsselfest, so Steffen Wernery, Präsident der "Sportsfreunde der Sperrtechnik", sollte die Meisterschaft für Velbert werden. Wo sonst, wenn nicht in der Schlossstadt, deren Schlossund Beschlägemuseum 70. Geburtstag feiert, wäre ein besserer Austragungsort.

Aber: "Die Schlossindustrie duldete unsere Meisterschaft nicht parallel zum geplanten Fest. Deshalb mussten es die Organisatoren um eine Woche verschieben", bedauert Wernery. Und: Dies sei das falsche Signal, da der Verein die guten Produkte der Industrie schätze. Jedoch vermieste die "fehlende Gegenliebe" niemandem die Wettkampflaune.

"Wir wollen Spaß und Spannung am Schlossöffnen auf seriösen Boden stellen", sagt Wernery. In vier Disziplinen konnten die Sperrsportler ihr Fingerspitzengefühl prüfen. Neben "Handöffnung" und "Hangschlossöffnung" gibt es noch Freestyle, bei dem nicht nur das "Tastbesteck" (Pickset), sondern auch anderes Sportgerät in die Hand genommen werden kann. Bei der "Blitzöffnung" ist Tempo gefragt.

Auch Dieter Ade will es mit den filigranen Herausforderungen jeder Disziplin aufnehmen. Wobei es reiner Zufall war, der ihn vor sechs Jahren im Internet auf die Seite der "Sportsfreunde" verschlug. Fast vor seiner Haustür, in Filderstadt Bonlanden bei Stuttgart war die nächste Ortsgruppe, bei der er sofort vorbei schaute.

"Schon in meiner Kindheit haben mich Fahrradschlösser interessiert", erinnert sich der Maschinenbautechniker. Schnell weihten ihn die Profis in die Kniffe und Tricks ein. Drei Mal im Monat treffen sich die Tüftler.

Was ist das für ein Gefühl, wenn es "Klick" macht? "Es ist wie ein Blitzgewitter im Kopf", vergleicht Wernery einen "Aufbrech-Erfolg". "Es ist eine sehr fummelige Arbeit, für die man viel Geduld braucht", bewundert Zuschauer Peter Mohr aus Wülfrath. "Schluss" der Schrei durch die Menge. Nach 15 Minuten hat Dieter Ade das Schloss immer noch nicht bezwungen.

16.10.06
Von Annkathrin Frind