Dirk Peppel bringt Studenten die Flötentöne bei. Morgen spielt er selbst in der Kirche in der City.
Wuppertal. "Diese Stelle ist wie für mich geschaffen!" Das dachte Dirk Peppel, als er die Ausschreibung für eine Flöten- und Kammermusik-Professur an der Hochschule für Musik in Wuppertal sah. Und er bekam sie auch, das war 2004.
Morgen gibt Peppel in der Alten reformierten Kirche (Kirche in der City) sein Antrittskonzert. "Es ist so etwas wie eine Wuppertaler Spezialität, das Konzert so spät zu machen", sagt er lachend.
Die Zeitpläne der kleinen Musikhochschule sind so voll, dass die Terminsuche schwierig ist. Dafür hat sich der Flötist umso mehr Gedanken über das Programm gemacht. "Es baut auf starke Kontraste", sagt er, "und es spiegelt meine musikalische Arbeit wieder."
Da ist, natürlich, am Anfang Bach. Dessen h-moll-Sonate, ein wahrer Pfeiler des Repertoires, spielt Peppel auf einer Holzflöte, am Cembalo begleitet von Alexander Puliaev. Ein weiterer Pfeiler ist mehr als 200 Jahre jünger, Luciano Berios Sequenza I für Soloflöte von 1958.
Die Neue Musik ist eine der Vorlieben von Peppel. So ist er Mitglied des Mutare-Ensembles, neben dem Ensemble Modern einer der ältesten und renommiertesten Interpreten Neuer Musik. Gründer und Leiter von "Mutare" ist Gerhard Müller-Hornbach; er hat eigens für Dirk Peppels Antrittskonzert ein Stück für Alt-Flöte und Cello komponiert.
"Wir haben die Noten erst seit drei Wochen", erzählt Peppel. Und ist jetzt schon fasziniert: "Durch leise, geräuschhafte Klänge entsteht eine ganz zarte Musik." Den Cello-Part bei der Uraufführung übernimmt Susanne Müller-Hornbach die Frau des Komponisten.
Zu diesem Werk in scharfem Kontrast steht die Sonate von Andre Jolivet, mit ihrer extremen dynamischen Bandbreite. Klavierpartnerin ist Peppels Hochschul-Kollegin Jee-Young Phillips.
Die Offenheit allen Stilen und Ausdrucksformen gegenüber ist für Peppel eine selbstverständliche Grundhaltung, und er unterrichtet seine derzeit acht Studenten dementsprechend. "Wir wollen ja keine Fachidioten ausbilden", sagt er.
Deshalb arbeitet er auch eng mit seinen Kollegen zusammen, insbesondere mit Manfredo Zimmermann, der als Spezialist für Alte Musik Peppels zeitgenössischen Ansatz perfekt ergänzt. "Diese intensive Zusammenarbeit und der enge Kontakt zwischen Lehrenden und Studierenden ist der Riesenvorteil einer kleinen Hochschule wie hier in Wuppertal", sagt Peppel.
Neben der Leitung der Flötenklasse gehören auch die Proben mit den Bläsern des Hochschulorchesters zu seinen Aufgaben. "Da kann ich meine heimliche Leidenschaft ausleben: das Dirigieren", sagt er schmunzelnd.
Auch bei den Landesjugendorchestern Hessen und Rheinland-Pfalz, beim Welt-Jugend-Orchester und dem gerade gegründeten Jugendensemble für Neue Musik schwingt er für die Bläser-Vorbereitung den Taktstock. Diese Kombination aus breitem Interesse an der Musikgeschichte und Faszination des Neuen stößt auf Resonanz: "Der Zulauf in die Wuppertaler Flötenklasse ist größer, als wir bewältigen können."
Zeit für Extras bleibt trotzdem immer für die "Flöte plus"-Themenkonzerte in der Hochschule oder für ein von Peppel ins Leben gerufenes, bis zu zehnköpfiges Flötenensemble, das etwa die Pinguinale-Prämierung musikalisch würzte. "Denn wenn ich sage: Ich lebe und arbeite gern in Wuppertal, meine ich das ernst."
Von Sebastian Pantel

