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NIEDERRHEIN

Der Name Weckmann kommt von der Bezeichnung "Wecken", einem Gebäck aus einfachen Weizenmehlteig.

Er begann als Brot für Büßer
Die Zeit zwischen St. Martin und Nikolaus ist ohne ihn nicht vorstellbar den Weckmann. Wie kam der Stutenkerl zu seinem Namen?
Niederrhein. "Der ist ganz schnell weg", sagt Kerstin (7) kauend. "Deshalb heißt der ja auch so Weg-Mann." In ihrer ersten Klasse haben die Kinder nach dem Martinszug über ihre Erfahrungen geschrieben der Weckmann spielt bei allen eine wichtige Rolle. "Wäkman", "Wegman", "Waekkmann" oder "Weggemann" - mit den Schreibweisen sind die I-Dötzchen noch nicht so recht vertraut. Aber ein Fest ohne ihn wäre für sie nicht denkbar.

Ob nun der Weckmann ursprünglich mit dem Martinstag verknüpft war, und der Brauch sich später auf den Nikolaustag verlagerte, wie es die Enzyklopädie Wikipedia vermutet, oder ob der Ursprung am Nikolaustag lag, wie das Lexikon des Erzbistums Köln schreibt, bleibt wohl unklar. "Im Rheinland war es definitiv der Nikolaustag", weiß Karl-Heinz Achten. Der Elmpter Heimatforscher ist in einer Bäckerei aufgewachsen. Weckmänner gab es zu Nikolaus, am Martinstag erhielten die Kinder einen kleinen Stuten aus dem gleichen Teig, den "Tse Meärtes-Wääk". Fritz Cuypers, damals Bäcker in Overhetfeld, war es dann wohl, der in anderen Landstrichen, in Westfalen oder dem Sauerland, sah, dass die Kinder dort Weckmänner schon zu St. Martin bekamen und führte es auch am Niederrhein ein.

Der Name Weckmann kommt von der Bezeichnung "Wecken", einem Gebäck aus einfachen Weizenmehlteig. Schwierig wird es dann, wenn man in Mönchengladbacher, Schwalmtaler oder Elmpter Gefilde kommt, wo das Männlein auch als "Bu(c)kmann" oder "Buggemann" bekannt ist. Wahrscheinlicher ist, dass das damit zu tun hat, dass das Kerlchen in der Hauptsache aus einem dicken "Buuk" (Bauch) besteht. So bestätigt es auch Achten. Es gibt aber auch Verfechter der These, die Bezeichnung leite sich von der altertümlichen Form von "backte", nämlich "buk" ab es handele sich ja um einen gebackenen Mann.

Weckmänner gab es nach Auskunft von Achten in drei verschiedenen Variationen. Beim einfachsten wurde der Teig einfach nur in Form gedrückt und eingeschnitten. Den konnten sich auch die Ärmsten leisten. Die Steigerung war der Mann mit Pfeife. Und für die wirklich Betuchten gab es den Kürrassier einen Weckmann in Uniform mit Knöpfen und verzierten Litzen.

Als gesichert gilt, dass der Weckmann in die Reihe der "Gebildebrote" gehört, die seit dem frühen Mittelalter all jenen gebracht wurden, die als Büßer oder daheimgebliebene Kranke die Eucharistie nicht hatten empfangen können eben als Kommunionersatz. In der orthodoxen Liturgie hat dieser Brauch noch heute Tradition.

Aus dem Bischofsstab wurde irgendwann eine tönerne Pfeife

Die Tonpfeife allerdings hat sich irgendwann einmal als kapitaler Irrtum eingeschlichen. Denn ursprünglich wurde der gute Mann als Bischof mit tönernem Bischofsstab dargestellt. Die Pfeife kam wohl im 17. oder 18. Jahrhundert, in der Hochzeit der Pfeifenbäckereien in Europa auf. Möglicherweise ging es dabei sogar darum, katholische Sinnbilder zu verweltlichen.

Wenn der Mann mit der Pfeife im Westfälischen auch Stutenkerl genannt nicht aufpasst, ist er ohnehin bald sein wichtigstes Accessoire quitt. Denn es gibt im Zeichen der Anti-Raucher-Kampagne ernsthafte Bestrebungen, den Weckmann seiner Pfeife zu berauben. Schließlich sei es "politisch alles andere als korrekt", ihn weiterhin so darzustellen. Die Kinder wird`s ärgern, denn das Sammeln der Pfeifen zwischen St. Martin und Nikolaus hat Kultstatus. "Ich habe schon fünf", sagt Wiebke (7) und kaut. "Morgen sind es dann sechs."

28.11.06
Von Heike Ahlen