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LokalesWuppertalKultur
30. November 1999 - 00:00 Uhr
Von der Heydt-Museum:Wuppertal verschönert den Himmel auf Erden
von Martina Thöne
Das Museum zeigt seine Kunststücke im In- und Ausland. 300 Anfragen gibt es pro Jahr. Auch die eigene Sammlung profitiert von Leihgaben.
 
 

Wuppertal. „Der Himmel auf Erden“ ist bis zum 11. März in Frankfurt am Main zu finden. Doch was wäre die Ausstellung im Städelmuseum ohne ein Schmuckstück aus Wuppertal? Womöglich nicht mal halb so schön.

Also machten sich die hessischen Kuratoren mit blühender Fantasie daran, das Thema bei der Wurzel zu packen und Garten-Bilder zu sammeln: Sie klopften ans Chefzimmer des Von der Heydt-Museums und baten um eine Leihgabe.

Gut, dass Hausherr Gerhard Finckh in „seiner“ Sammlung einen entsprechenden Schatz weiß, den man zumindest zeitweise verpflanzen kann: Kein (echter) Garten kann grüner sein als „Die Eremitage in Pontoise“ von Paul Cézanne, die deshalb prompt nach Frankfurt entsandt wurde.

Dabei ist das Gemälde nicht das einzige Kunststück, das die weite Welt kennen lernt. 300 Anfragen erreichen Finckhs Schreibtisch pro Jahr. Nicht immer, aber häufig werden die Wünsche erhört. Allein im Jahr 2005 waren 100 Wuppertaler Werke auf Reisen. „Wir helfen den Kollegen gerne“, sagt Finckh mit einer kleinen, aber entscheidenden Ergänzung: „Am liebsten natürlich, wenn wir auch einen Nutzen davon haben.“

Tausche Otto Dix gegen Lyonel Feininger

Ob das Museum, wie jüngst geschehen, Henri Moores sitzende Dame nach Rotterdam transportieren lässt oder Pablo Picassos „Harlekinfamilie“ nach Barcelona schickt, hängt deshalb nicht davon ab, ob der Direktor einen guten Tag hat oder nicht.

Was zählt, ist ein Geben und Nehmen, von dem im Idealfall beide Seiten profitieren. „Man unterstützt sich gegenseitig“, erklärt Finckh und hat auch schon ein Beispiel parat. „Zurzeit sind zwei Dix-Bilder von uns in New York zu sehen.“

Die Gegenleistung wurde bereits im vergangenen Jahr erbracht: Für die Wuppertaler Feininger-Schau vermittelten die Kollegen aus dem Metropolitan Museum ein wertvolles Bild von Lyonel Feininger („Allee“, 1915).

Solche Tauschgeschäfte sind Freundschaftsdienste unter renommierten Kunstexperten, aber auch harte Verhandlungssache. Versicherung, Transport- und mögliche Restaurierungskosten wollen fixiert werden, denn seine Schmuckstücke gibt Finckh nicht einfach so aus der Hand, sondern mit dem beruhigenden Wissen, dass „unsere Sammlung so reich ist, dass wir nie alles zeigen und in Maßen sogar Highlights rausgeben können“.

Die Wuppertaler Exponate schlagen eine Brücke: von Korea bis Brasilien, Skandinavien bis Spanien. Manchmal liegt das Gute allerdings viel näher, als man dachte: Auch die „Fröhliche Tischgesellschaft“ von Cornelis van Haarlem (1596), die morgen, 15 Uhr, erstmals bei der Neueröffnung der ständigen Sammlung präsentiert wird, ist eine Leihgabe: jedoch keine aus einem fernen Museum, sondern eine von Wuppertaler Privatsammlern.

„Sie ist eine tolle Bereicherung für unser neues niederländisch-flämisches Kabinett“, schwärmt Finckh. Kein Wunder, dass er sich entsprechend gut fühlt: wie im Himmel auf Erden, den es damit nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Wuppertal gibt.

AKTUELLE LEIHGABEN

Henri Moores „Draped seated woman“ wurde auf Dienstreise nach Rotterdam geschickt: In der dortigen Kunsthalle ist die sitzende Dame bis zum 28. Januar zu bewundern.

Auch in New York sorgt das Wuppertaler Museum für schöne Aus- und Ansichten: Zwei Werke von Otto Dix bereichern bis zum 18. Februar das Metropolitan Museum.

Pablo Picassos „Harlekinfamilie“ ist bis zum 18. Februar im Picasso-Museum in Barcelona zu Hause.

Max Liebermann wurde nach Hannover berufen: Zwei seiner Werke sind bis 18. Februar im Niedersächsischen Landesmuseum ausgestellt.

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