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LokalesKreis MettmannErkrath / Haan / Mettmann
12. Februar 2007 - 00:00 Uhr
Schillerstraße: Das simulierte Verkehrschaos
von Andrea Grüten-Stockhausen
Gut 30 Bürger wohnten der Inszenierung der Bürgerinitiative Innenstadt Haan bei und waren entsetzt angesichts der entstehenden Verkehrsprobleme.
 
 

Haan. Drei dicke Lastwagen stehen am Fahrbahnrand, ein Rheinbahnbus kommt nicht mehr durch, für Pkw geht es weder vor noch zurück.

Dieses Szenario spielte sich Samstagmorgen auf der Schillerstraße ab. Inszeniert hatte es Hans-Peter Bretschneider mit einer Haaner Spedition.

„So oder noch schlimmer wird das Verkehrschaos hier, wenn die Windhövelpassage tatsächlich gebaut wird“, warnte der Vorsitzende der Bürgerinitiative Innenstadt Haan.

Hans-Peter Bretschneider rechnet mit täglich 5000 Lastwagen

Etwa 30 Haaner, teils Anwohner, schauten sich entsetzt das Spektakel an. „Wenn die Lastwagen schon an einem vergleichsweise ruhigen Samstag enorme Probleme verursachen, wie soll das dann erst unter der Woche werden?“ Ein Einkaufszentrum muss aber nun einmal täglich mit Waren aller Art beliefert werden.

Laut Verkehrsgutachten der Stadt Haan wird pro Tag mit 3500 Anfahrten gerechnet. „Ich rechne mit 5000“, prognostizierte Bretschneider. „Mit dem geplanten Einkaufszentrum wird eine der schönsten Straße in Haan zerstört.“

„Wahrscheinlich holzen sie dann auch noch alle Bäume ab, um Platz für die Wagen zu schaffen“, befürchtete Frank Pieper. „Das Allerschlimmste aber ist, dass die Schillerstraße ja auch noch ein Schulweg ist“, so der Anwohner und malte sich das Zickzack-Laufen der Kinder um Lastwagen aus.

„In Düsseldorf verhängt man für die Corneliusstraße ein Fahrverbot, wenn die Emissionen überschritten werden, und wir holen die Lastwagen nach Haan rein“, schüttelten die Anlieger den Kopf. „Dann können wir Haan ja gleich komplett asphaltieren“, unkte Eberhard Röhricht. „Ich wohne nun seit 40 Jahren hier. Was die Stadtplaner machen, ist nur Flickwerk. Wieso gibt es nicht einmal einen kompletten Plan?“

Auch das Argument der Stadt, durch die Einkaufspassage mehr Kaufkraft in die Stadt zu holen, ließen die aufgebrachten Bürger nicht gelten. „Ich bin mit meinen 60 Jahren nicht mehr so gut zu Fuß und habe mich an die Geschäfte in der Innenstadt gewöhnt“, so Renate Wimmer.

„Vermutlich haben die Parteien unter Fraktionszwang für die Passage gestimmt“, argwöhnte die Versammlung. „Ich würde auf jeden Fall den wählen, der zugibt, einen Fehler gemacht zu haben“, wurden Stimmen laut.

Lastwagen-Fahrer Karl-Heinz Bovensiepen, der an diesem Tag die „Probefahrten“ machte, tun seine Kollegen jetzt schon leid. „Ich fahre seit 36 Jahren und weiß, dass die Wagen schon nachts kommen müssen.

Da viele Lastwagen einen Kühlwagen haben, muss man sie laufen lassen“, warnte er vor dem bevorstehenden Lärm. Für die meisten Lkw sei es ohnehin schwer genug, durch die engen Straßen und schmalen Kurven Haans zu kommen.

„Wieso hat man eigentlich keine Volksabstimmung zum Einkaufszentrum gemacht“, fragte sich abschließend eine Passantin. Die Frage scheint berechtigt.

Verkehrsgutachten

Das Gutachten mit dem Titel „Verkehrs- und schalltechnische Untersuchung für die Entwicklungsmaßnahme Windhövelpassage in Haan“ wurde im März 2006 fertiggestellt und auch in der öffentlichen Präsentations-Veranstaltung im Schulzentrum Walder Straße sowie im Planungsausschuss vorgestellt.

Auftraggeber war der potenzielle Investor für die Windhövelpassage, die Düsseldorfer Firma ITG.

Ausführendes Institut war die Brilon, Bonzio Weiser Ingenieurgesellschaft für Verkehrswesen mbH.

Im Internet ist das Gutachten als PDF-Datei über die Stadtentwicklungsseite der Stadt Haan  zu finden.

www.haan.de

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