OBERBARMEN und WICHLINGHAUSEN: Bezirke mit Charme gegen den Abwärtstrend (Daten und Zahlen)
Offiziell ist alles Oberbarmen. Der amtlich festgelegte Stadtbezirk umfasst das eigentliche Oberbarmen mit Rittershausen ebenso wie Wichlinghausen, beide dicht besiedelt, wie auch das in weiten Teilen ländliche Nächstebreck.
Wichlinghausen/Oberbarmen. Und wer denkt, die Straßenzüge an der Hilgershöhe müssten zu Oberbarmen zählen, der irrt: Das ist offiziell schon Langerfeld. Im folgenden aber geht es um Wichlinghausen und Oberbarmen im ursprünglichen Sinne. In wohl kaum einem Stadtteil sind Charme und Trostlosigkeit, attraktive Urbanität und offensichtlicher Abwärtstrend so eng verbunden wie in Wichlinghausen. Immer wieder wird von engagierten Anwohner wie Geschäftsleuten dagegen angekämpft. Der Wandel im Stadtteil in den letzten zehn Jahren ist offensichtlich. Vor allem die Hauptverkehrsstraßen zeugen von zunehmend gefährdeter Existenz des "kleinen" Einzelhandels, von leerstehenden Wohnungen und einem Übermaß an Kebab-Buden. Gleichzeitig bietet der Stadtteil immer wieder gepflegte Altbauviertel, erstaunliche Aktivitäten der Anwohner und immerhin mit dem Nordpark ein "Naherholungsziel" erster Güte (auch wenn der wiederum offiziell zum Stadtbezirk Barmen zählt).
Die A 46 zieht die Grenze des großen Park-Areals fast hätte die Autobahn den Nordpark zerschnitten. So jedenfalls waren die ersten Planungen, doch starker Protest hat damals den Park gerettet. Jetzt bietet er zu allen Jahreszeiten gerade Familien mit Kindern ein Ausflugsziel. Daran hat die Stadt großen Anteil, aber auch das Engagement des aktiven und mitgliederstarken Nordstädter Bürgervereins. Seit vielen Jahren betreut der das Wildgehege im Park, das ganz nah an den Parkplätzen auch gut zu erreichen ist. Rehe füttern mit gezogenem tiergerechten Futter natürlich: Wo hat man das schon? Spielplätze, Gastronomie, Spazierwege, die allerdings wegen der Hanglage ein wenig Kondition erfordern, und immer wieder ein großartiger Ausblick auf die Stadt machen die Attraktivität des Nordparks aus. Und wenn bald der erste Schnee kommt: die Rodelwiese nicht zu vergessen.
Hin zu den Straßen Einern und Mollenkotten, die in etwa die Grenze nach Herzkamp bilden, erstrecken sich die von Einfamilienund Reihenhäusern geprägten Siedlungen der Schellenbeck, der alten "Gartenstadt", von Stahlberg, Schraberg, Haarhausen. Am Stahlsberg dominiert dichte Wohnbebauung. Doch wer hier wohnt, hat er nicht weit ins Grüne: In Herzkamp, in Elfringhausen ist man schnell, ebenso in den grünen Bereichen von Nächstebreck. Am Reppkotten lockt überdies das bewährte Spielplatzhaus. Und schließlich das Freibad Mählersbeck, seit Generation gerade für die kleinen Schwimmer die "Mä".
Da ist man schon fast im eigentlichen Wichlinghausen angelangt. Bei den Luftangriffen des 2. Weltkriegs weitgehend verschont geblieben, hat sich an vielen Stellen der Altbaubestand erhalten, oftmals gut gepflegt und saniert, gibt es Straßenzüge, die es durchaus mit den Postkartenmotiven der Elberfelder Nordstadt aufnehmen können. Liebevoll hat man unterhalb des alten Hofeshauses Dahl an der Tütersburg das alte Gottesbrünnlein restauriert, und auch der Wichlinghauser Markt ist mehr als die Hauptkreuzung im Bezirk: Der Platz mit dem Hiby-Brunnen, die alte Apotheke aus dem Mitte der 19. Jahrhunderts, auch die Wichlinghauser Kirche, die gegenüber liegenden beiden alten verschieferten Fachwerkhäuser sowie die Alte Straße mit dem Ensemble altbergischer Häuser prägen das Areal.
In den Nebenstraßen finden sich immer wieder Zeugnisse der Wohnkultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Haus steht an Haus, oft ist es eng, und noch öfter ist es steil. Viel Platz für große Spielplätze bleibt nicht. Nischen suchen, heißt es da für Kinder. Zum Beispiel auf dem Görlitzer Platz, wo die Statue eine Feldherrn prangt, sich die Kinder aber bewusst sein müssen, dass sich die vielen Hunde des Stadtteils gern hier treffen. Hier im Bezirk steht an der Matthäusstraße die größte Hauptschule der Stadt, Grundschulen sind natürlich am Ort, das große Schulzentrum Ost mit Realschule und Gymnasium samt stark genutzter Sporthalle. Die Gesamtschule auf der Hilgershöhe? Nein, pardon, das ist schon wieder Langerfeld.
Bis hinter die Berliner Straße auf die Talsohle erstreckt sich der Bezirk. Damit ist er auch Standort für einen ungewöhnlichen Konzertort, die Immanuelskirche an der Sternstraße / Von-Eynern-Straße, und das beliebte Kommunikationszentrum "Die Färberei". Nicht zu vergessen ganz am Rande des Bezirks: das Kino Cinetal mit attraktivem Programm, der Wupperfelder Markt als Sommertreffpunkt.
Rund um den Berliner Platz und dann die Schwarzbach hinauf erstreckt sich das alte Rittershausen: eine Bezeichnung, die aus der Zeit stammt, als Wichlinghausen das "Harmoniumsviertel" (mit vielen frommen Menschen) war. Hier gilt, was für große Teile Wichlinghausens charakteristisch ist: dichte Bebauung, hoher Ausländeranteil. Besonders viele Griechen und Türken leben in Wichlinghausen und Oberbarmen. Vorbei die Jahre, als Einzelhandel, Industrie (zum Beispiel mit Luhns) und die viel befahrene Bahnstrecke das Bild prägten. Heute zählen preiswerter Wohnraum, gute Verkehrsanbindungen, so manches Beispiel für Multi-Kulti und Freude am Einkauf beim Griechen.
Wichlinghausen, Oberbarmen: Das sind Stadtteile, die nicht nach dem ersten Schein zu beurteilen sind. Erkundungstouren sind angesagt. Dann finden sich immer wieder ein origineller Winkel, so manch überraschende Entdeckung, viele weite Ausblicke, immer neue Begegnungen. Langweilig jedenfalls wird es nicht.
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