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ALKOPOPS

Aus diesem Brausepulver entsteht ein Alkopop.

Brausepulver: Alkopops aus der Tüte
Gerade räumen die Händler die ersten Alkopop-Getränke mit den neuen Preisen in die Regale ­ - seit August gilt die Sondersteuer zum Schutz von Jugendlichen vor den süßen Verführern. Und schon kündigt sich in der Partyszene ein neuer Trend an.
Düsseldorf. Alkohol soll als Brausepulver auf den Markt kommen ­ steuerfrei in der Tüte. Jost-Henner Nies ist Geschäftsführer der „Subyou GmbH”. Seine Brause nennt er ebenfalls Subyou. Sie ist laut Internet-Angebot zu je 65 Gramm in schwarze Tütchen verpackt und in vier Geschmackssorten erhältlich. Im Glas mit 0,25 Liter Wasser angerührt entstehe daraus ein Drink mit einem Alkoholgehalt von 4,8 Prozent. Das entspricht anderthalb Gläsern Schnaps.

„Solche fragwürdigen Erfindungen werden wir genau unter die Lupe nehmen, wenn wir die Sondersteuer in einem Jahr überprüfen”, sagt Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne). „Offenbar haben in der Branche immer noch nicht alle verstanden, dass es darum geht, Jugendliche vor den Gefahren des Alkohols zu schützen.” Ein Sprecher des Ministeriums ergänzt auf Anfrage unserer Zeitung: „Ob das Produkt technisch überhaupt machbar ist, ist für uns nicht relevant. Wir beobachten den Markt mit dem Ziel, die Verbraucher zu schützen.”

Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk (SPD) kritisiert den Hersteller des Pulvers scharf und hält eine Ausweitung der Sondersteuer für möglich. Aber lässt sich Alkohol tatsächlich zum Pulver verarbeiten? Auf seiner Internetseite verrät „Erfinder” Jost-Henner Nies, wie es gehen soll ­ aber der Laie versteht nur Bahnhof: „Durch die Alteration von Mixolydin-Aeolat und mittels weiterer, umständlicher mikrochemischer Augmentations-Prozesse” werde der Rum zum Pulver, heißt es. Fachleute schütteln den Kopf über dieses „Rezept” des selbst ernannten Nobelpreisträgers für angewandte Chemie (einen Preis, den es so nicht gibt): „Das sind alles pseudowissenschaftliche Ausdrücke”, kommentiert Professor Peter Kleinebudde vom Institut für Pharmazeutische Technologie der Universität Düsseldorf.

„Nein, die erwähnten Verfahren gibt es alle nicht”, pflichtet Lebensmittelchemiker Udo Pollmer ihm bei. Als wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften in München weiß er allerdings schon seit etwa vier Jahren um die Möglichkeit, Alkohol zu Pulver zu verarbeiten: „Es gibt ein US-Patent dazu.” Laut Berichten in der Fachpresse kann Alkohol in so genannte Cyclodextrine eingeschlossen werden. Derart in winzige Kügelchen verkapselt, lässt sich die Flüssigkeit wie ein Pulver handhaben. Pollmer schätzt, dass die von Zuckern abgeleiteten Cyclodextrine bis zu 60 Prozent ihres Gewichts an Alkohol aufnehmen können.

„Alkoholpulver wurde in den USA als Zusatz für Desserts und Speiseeis entwickelt”, erinnert sich Pollmer. Er vermutet, dass ein deutscher Hersteller den pulverförmigen Alkohol als Rohstoff aus den USA beziehen und dann zum Alkopop-Brausepulver weiter verarbeiten könne. „Das Schwierigste dabei sind die Zollregularien”, sagt er. Noch lässt die vom Hersteller angekündigte „Überschwemmung” des Marktes auf sich warten. Es gibt ein Bestellformular im Internet. Dort werden auch so genannte Subguides gesucht, die das Pulver in Diskos vertreiben. An Tankstellen und Kiosken im Rheinland ist die Brause noch unbekannt. Zulieferer Lekkerland-Tobaccoland hat sich ­ nach Verkostung ­ gegen die Aufnahme ins Sortiment entschieden: „Das Produkt ist für unseren Markt nicht ausreichend attraktiv genug”, erklärt Sprecherin Inga Coenen gegenüber der WZ.

28.10.04