Wieder gibt es Ärger um kommerzielle Altkleider-Sammlungen. Die Stadt soll jetzt endlich einschreiten.
Anrath. Sie heißen "Pater Rodriguez", "Aktion Sonnenschein" oder "Verein zur Kontaktpflege mit Behinderten". Sie werben für Altkleider- und Schuhsammlungen. Dabei erwecken sie auf ihren Flugblättern den Anschein der Mildtätigkeit. Doch Thomas Wystrach von der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes beurteilt sie ganz anders: "Hier will ein kommerzieller Trittbrettfahrer das Feld abgrasen."
Auch der katholische Bundesverband "FairWertung" klagt über eine "auffällige Häufung" dubioser Straßensammlungen. In Willich ist dies eindeutig zu belegen: Ende Oktober/Anfang November waren es noch "Pater Rodriguez" und die "Aktion Sonnenschein" in Alt-Willich. Gestern flatterte ein Flugblatt des "Vereins zur Kontaktpflege mit Behinderten" in die Anrather Briefkästen. Auch der bittet "um rege Beteiligung bei seiner Altkleidersammlung" am heutigen Freitag. Allerdings fehlt die Adresse des Vereins auf dem Flugblatt ebenso wie eine Telefonnummer. Die einzige Auskunft lautet: "Einzelheiten über andere Aktivitäten des Vereins können Sie durch Karl Heinz erfahren".
Schließlich wird noch zu einer Geld-Spende aufgerufen, wobei Informationen zu Bankleitzahl, Kontonummer und Bank angegeben waren, nicht aber zum Kontoinhaber. Thomas Wystrach, seit vielen Jahren in der "Aktion Echo" aktiv, kritisiert, dass mit dem Flugblatt der Eindruck erweckt würde, es sei eine Sammlung von und für einen gemeinnützigen Verein. Das aber hält er für unwahrscheinlich.
Was ihn noch mehr ärgert: Einen Tag nach der besagten Altkleidersammlung sammelt auch die katholische Pfarrjugend in Anrath für ihre Jugendarbeit. Für einen Zufall hält er das nicht. Schon in der Vergangenheit, so Wystrach, habe er die Stadt Willich aufgefordert, in solchen Fällen einzuschreiten. Geschehen sei nichts anders als etwa in der Stadt Arnsberg, die sammelnde Subunternehmen abgemahnt habe. "Sollte ich von der Stadt Willich in den nächsten Tagen keine Mitteilung erhalten, gehe ich davon aus, dass die zuständigen Mitarbeiter das rechtswidrige Verhalten dulden", betont er.
Klar ist: Angemeldet werden müssen solche Sammlungen bei der Stadt nicht. Martin Zinnel, Leiter des Geschäftsbereichs Einwohner und Ordnung, betont zudem, dass kein eindeutig beweisbarer Betrug vorliege. Wystrach wolle zudem die Sammlung verhindern, weil er in ihr eine Konkurrenz zur Sammlung der Pfarrjugend sehe. Außerdem stellt Zinnel in Frage, ob wirklich alle Einnahmen für gemeinnützige Zwecke genutzt werden müssen. Dafür gebe es kein Gesetz, betont er. Und die genaue Recherche, wer hinter den einzelnen Sammlung stehe, sprenge den zeitlichen Rahmen der Stadt.
12.11.04Von Linda Kuhlen und Werner Dohmen


