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KREFELD

Großer Zuspruch am WZ-Bus zwischen Kindergärten und Verberger Kirche: Die Angst vor schädlichen Strahlen bleibt. (Foto: Strücken)

"Wutschnaubend" die Messe verlassen
Bedenken gegen den Sender im Kirchturm schweißt Eltern zur einer Bürger-Initiative zusammen. Am WZ-Bus wieder scharfe Kritik.
Krefeld. Eines ist klar: Mit dem bereits vor vier Jahren mit zwei Mobilfunkbetreibern abgeschlossenen Mietvertrag hat sich der Kirchenvorstand von Christus König in Verberg keine Freunde gemacht. Am WZ-Bus herrschte gestern Mittag ein erwartungsgemäß großer Andrang von Müttern, die ihre Kinder in den städtischen Kindergarten an der Zwingenbergstraße und im selben Gebäude untergebrachte Tagesstätte "Hexenkessel" schicken.

Es sieht auch nicht so aus, dass sich die Eltern nun formiert in der "Bürgerinitiative Verberg für verantwortungsvollen Mobilfunk" beim Hearing mit der Stadt am 13. Dezember von Netzbetreiber-Fachleuten eines Besseren belehren lassen werden. Grundsätzlich sei man nicht gegen das mobile Telefonieren aber in den Kirchturm gehöre die Sendeanlage nicht.

"In der Schweiz und in den Niederlanden wird mit der Strahlung von solchen Sendeanlagen viel sensibler umgegangen als in Deutschland", weiß Dorothea Coopmans, deren zwei Enkel die privat betriebene Tagesstätte Hexenkessel besuchen. "Enttäuscht sind wir, wie der von uns gewählte Kirchenvorstand mit dem Thema umgeht. Von dem kam nicht eine Information." Ihre Tochter Tanja Coopmans-Elfes fügt an: "Es gibt keinen Zweifel, dass ein Teil der elektromagnetischen Strahlen die beiden Kindergärten erfassen wird."

Zudem habe der Umweltschutzbeauftragte des Bistums früher erklärt, dass bei sensiblen Standorten von Sendemasten in kirchlichen Einrichtungen Aachen entscheide. "Jetzt heißt es auf einmal, das sei eine Angelegenheit der jeweiligen Gemeinde." Martina Kuschel von der Eltern-Initiative "Hexenkessel" vermutet hinter allem "eine gezielte Politik der Mobilfunkanbieter: Die Gemeinde hat da mitgemacht. In St. Gertrudis in Bockum weiß auch doch kaum jemand, dass es dort einen Sender im Kirchturm gibt".

Susanne Brinkel stellt klar: "Wir sind doch nicht grundsätzlich gegen Mobilfunk." Für sich hat sie allerdings Konsequenzen gezogen: "Ich hab` mein Handy abgemeldet." Ihr missfällt der Druck , den der Kirchenvorstandsvorsitzende ausübe, in dem er die Stelle der Pfarrsekretärin zur Disposition stellt, sollten die Mieteinnahmen durch die Sendeanlage ausfallen. Bettina Rösken, Leiterin des "Hexenkessels": "Wir erhielten den Brief von der Stadt als die Regulierungsbehörde den Standort bereits genehmigt hatte."

Sie bedauert, dass für die Kirche nur der "wirtschaftliche Profit" zähle. Und: "Wer wusste denn vor 20 Jahren, dass Asbest Krebs verursacht?" Inzwischen hätte sich ein Viersener Kindergarten mit gleichem Problem gemeldet. "Wenn der Sender kommt, geht mein Kind hier nicht zur Erstkommunion", kündigt Nathalie Münstermann an. Dieter Döll (66) wohnt 150 Meter von der Kirche entfernt. "Es gibt keine gesicherten Ergebnisse, ob die Strahlung eine Gefahr darstellt.

Es gibt aber auch keine Erkenntnisse, dass sie ungefährlich sind. Daher ist es unverantwortlich, die Anlage in die Nähe von Kindergärten zu platzieren. Wir brauchen Langzeitstudien." Sein Nachbar Karl Schwingen (77) pflichtet ihm bei und wundert sich: "Für die neue Orgel wurden in den letzten vier Jahren knapp 300 000 Euro gesammelt. Dagegen sind die 7000 Euro Mieteinnahmen jährlich ein Klacks."

Dorothee Müller meint, dass die Kirche nicht ein Ort sein sollte, von dem Ängste ausgehen. Die Kirche propagiert den Schutz ungeborenen Lebens, nimmt aber für Geld in Kauf, dass Kleinkinder gefährdet werden." Edith Bernigau und ihr Mann Lutz verließen am Samstagabend "wutschnaubend die Vorabendmesse", weil der Pfarrer nur ganz am Rande auf das Thema eingegangen sei. "Die Kirche ist nicht dazu da, den Leuten zu schaden."

Da sie selbst an Krebs leide, habe ihr ein Umweltmediziner geraten, jeglichen Elektrosmog aus der Wohnung zu verbannen. "Selbst den Radiowecker habe ich abgeschafft." Das alles werde jetzt mit einem Federstrich hinfällig "das ist fahrlässige Körperverletzungen. Susanne Kempkes rechnet mit Kirchenaustritten durch das Vorgehen der Verberger Gemeinde. Bekannte von ihr wohnen neben einer Mobilfunk-Sendeanlage: "Die leiden jetzt unter Schlafstörungen."

Wenig Verständnis für die "hochgespielte Aufregung" in Verberg zeigt Wirt Gerd Siebenmorgen. Ihn ärgern "die Mütter, die morgens und mittags mit dem Handy am Ohr durch die Tempo-30-Zone zu den Kindergärten rasen". Er würde sich wünschen, dass Eltern "ebenso heftig gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie protestieren". Gegenüber einigen informierten Müttern aus der Nachbarschaft musste Siebenmorgen aber einräumen, sein Dach vor einigen Jahren nicht für eine Mobilfunksendeanlage zur Verfügung gestellt zu haben...

25.11.04
Von Alexander Alber, Peter Kappes und Jonas Martiny
 
 
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