Kriminalrat Josef Hufenstuhl war von 1940 bis 1945 Gestapo-Chef in Wuppertal.
Morgen vor 60 Jahren richtete die lokale Gestapo unter Leitung von Josef Hufenstuhl am Burgholz 30 Zwangsarbeiter hin.
Wuppertal. Nachdem Anfang März 1945 US-Truppen den Rhein überquert hatten und auf das rheinisch-westfälische Industriegebiet vorgestoßen waren, zeigten sich auch in Wuppertal die Auswirkungen der die Kriegsendphase prägenden Katastrophenund Untergangsstimmung. Begleitet wurde sie von einer beispiellosen Gewalteskalation der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), der nach Historikerschätzung Tausende Menschen zum Opfer fielen vor allem Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Oppositionelle.
Eins der in der einschlägigen Forschungsliteratur immer wieder genanntes "Endphaseverbrechen" die Ermordung von 30 sowjetischen Zwangsarbeitern, darunter sechs Frauen fand um den 20. März 1945 im Burgholz statt.
Florian Speer hat in seiner umfassenden Studie über "Zwangsarbeit in Wuppertal" (2003) dieses Verbrechen erstmals detailliert zu rekonstruieren versucht. Ihm vorausgegangen war die Verhaftung von entflohenen "Ostarbeitern" nach einem Überfall und Feuergefecht auf dem Güterbahnhof Wichlinghausen Ende Januar 1945.
Nach weiteren Fahndungsaktionen wurden insgesamt 38 Personen im Gefängnis des Polizeipräsidiums festgehalten und einige zur Erpressung von Geständnissen auch gefoltert. Ein mobiles "Gericht ", dem auch Wuppertals Gestapochef Josef Hufenstuhl und der lokale Kripostellenleiter Baumann angehörten, verurteilte dann 30 von ihnen zum Tode.
Behördliche "Legitimation" erhielten solche Willkürurteile durch das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin, das ausdrücklich lokalen und regionalen Dienstellenleitern Entscheidungsfreiheit bei der "Sonderbehandlung von Ostarbeitern", also bei ihrer Ermordung einräumte.
Das von Hufenstuhl mit der Tötung der Zwangsarbeiter beauftragte Kommando bestand aus 20 Wuppertaler Gestapo- und Kripobeamten. Die an Händen und Füßen gefesselten Männer und Frauen, darunter die Lehrerin Helena Matrosowa, wurden im Morgengrauen vom Präsidium zu einer vorbereiteten Grube im Burgholz gebracht und gruppenweise erschossen.
Einer der später von einem britischen Militärgericht zur Verantwortung gezogenen Tatbeteiligten gab in der Vernehmung zu Protokoll: "Die Russinnen mussten niederknien, mit dem Gesicht zum Grab. Sie wurden durch Genickschuss erschossen. [. . .] Nachdem das Grab zugeschaufelt war, fuhren wir mit dem Autobus in die Stadt zurück."
Ans Licht kam das Verbrechen erst im August 1945, nach Ermittlungen des britischen Militärs gegen drei hochrangige Polizeibeamte. Einer von ihnen, Julius Baumann, war erst kurz zuvor mit dem Wiederaufbau der Wuppertaler Kripo beauftragt worden.
Der Exhumierung der Ermordeten und ihrer anschließenden Beerdigung auf dem evangelischen Friedhof an der Schorfer Straße in Cronenberg mussten auf Anordnung der Militärregierung leitende Polizeiangehörige, Oberbürgermeister Thomas sowie die Leiter der Deutschen Bank und des Arbeitsamtes beiwohnen.
Der Verein "Spurensuche", der Besuchsprogramme für ehemalige Zwangsarbeiter in Wuppertal organisiert, hält die Erinnerung an die Opfer dieses Verbrechens wach. Zu den engagiertesten Vereinsmitgliedern gehört auch die Tochter eines der damals tatbeteiligten Polizisten. Für sie ist die Erinnerung an die Burgholz-Morde moralische Verpflichtung, zugleich eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit der lange verdrängten Familiengeschichte.
19.03.05Von Michael Okroy

