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 DÜSSELDORF
Die Werkshäuser an der Heyestraße heute. (Foto: Alsleben)
Das Hauptwerk der Glashütte in alten Zeiten um 1895 aufgenommen von einem Werksfotografen.
Als Gerresheim vom Glas lebte
Mit dem bitteren Ende der Gerresheimer Glashütte stirbt auch eine große, von Ferdinand Heye begründete Tradition.

Düsseldorf. Ferdinand Heye würde sich im Grabe umdrehen, erführe er, dass man "seine" Gerresheimer Glashütte beerdigen will, zumindest jenen Teil des einstigen Imperiums, der dem Hohlglas gilt. Auch wenn der neue Eigentümer Owens Illinois die Kündigungen noch nicht ausgesprochen hat, geben sich die 234 betroffenen Arbeitnehmer keiner Hoffnung mehr hin. Mit der Traditionsfirma an der Heyestraße schließt eine Produktionsstätte, die dem Gerresheimer Süden einst eine beispielhafte Blüte bescherte. Denn Heye und Familie machten nicht nur Gewinne, sondern ließen andere daran teilhaben und sorgten für eine Infrastruktur.

Ferdinand Heye (1838-1889) wurde als vierter Sohn eines Glasfabrikanten in Bremen geboren, im selben Jahr, als die erste Eisenbahnverbindung zwischen Düsseldorf-Gerresheim und Erkrath eingeweiht wurde, samt dem Gerresheimer Bahnhof. Heye war 25 Jahre alt, als er sich seinen Erbteil von 30 000 Taler auszahlen ließ und 1864 seine eigene Glashütte errichtete, gleich neben der Bahnstation, unweit der Glas-Sande aus Ludenberg. Die Kohle kam auf dem Schienenweg bald schon aus den Zechen an der Ruhr, der Kalk aus den Steinbrüchen zwischen Velbert und dem Neandertal und der Quarzsand aus Niedersachsen.

Das Leben des Firmengründers spiegelt sich auf Schritt und Tritt im Stadtteil wieder, denn Heye hatte Erfolg. Die Zahl der Arbeiter stieg von 400 auf 1700. 1886 galt die Firma als größte Flaschenfabrik der Welt, sie produzierte jährlich 47 Millionen Flaschen. Doch Heye kassierte nicht nur, der gläubige Protestant besaß auch ein soziales Ethos. Schon 1864 ließ er die ersten mietfreien Arbeiterwohnungen in nächster Nähe der Glasöfen bauen. Die Siedlung besteht noch heute, jeweils mit einem Garten zur Viehhaltung. Die Leute wohnten anfangs kostenlos, später zahlten sie eine kleine Miete. Seit 1867 finanzierte er die Betriebskrankenkasse und die Unfallversicherung; die "Versorgungskasse" war eine Art Rentenversicherung.

Er spendete und stiftete, die Gustav Adolf-Kirche mit dem wunderschönen Gemeindesaal, die Ferdinand-Heye-Schule, die Volksschule an der Morperstraße, die dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel. Er gründete Chöre und Musikkapellen, eine Werksbibliothek mit Lesesaal, das Heyebad, das heute als Jugendfreizeitstätte dient, das Tambourcorps, das gleichfalls fortbesteht, dazu einen "Athletenclub" und einen Radfahrverein. Vom großen Volkspark mit Musikpavillon ist der mit Bäumen beschattete Parkplatz geblieben, seitdem die Torfbruchstraße an der Tangente der Glashütte gebaut wurde.

In den 50er Jahren gab es hier 5000 Mitarbeiter, als die Firma erstmals an Owens Illinois ging. Damals zeigten sich die neuen Eigentümer aufgeschlossen gegenüber der Bevölkerung, bezahlten einen neuen Physiksaal für das Gerresheimer Gymnasium und das Bootshaus am Unterbacher See für Gerresheimer Schulen. Seitdem gilt das "G" mit dem Krönchen als Sportbekleidung der Schüler. Owens Illinois verkaufte Anfang der 60er Jahre den Betrieb an eine Holding, in der auch die WestLB saß, dann ging die Firma an BSN Glasspack, eine Tochter von Gervais Danone aus Frankreich. 2004 kaufte Owens Illinois das Areal zurück.

Bevor nun alles platt gemacht wird, gibt es am Freitag ein Gespräch mit dem Betriebsrat und um 17 Uhr eine Demo der Beschäftigten am "Roten Platz".

31.05.05
Von Helga Meister
 
 
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