0 0
stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
HomeKulturMusikKlassik
WZ-HÖREN

Maurizio Pollini begeistere in Essen. Foto: Klavierfestival Ruhr

Klavierfestival Ruhr: Denn wenn (Pianist) Maurizio Pollini kommt . . .
Der große Meister aus Mailand führt das Publikum in einen Ausnahmezustand und die Hammerklaviersonate ins Unhörbare.
Essen. Wenn Maurizio Pollini kommt, platzt alles aus den Nähten. Buchstäblich bis unter die Decke füllten die Menschen die Essener Philharmonie bei seinem Auftritt anlässlich des Klavierfestival Ruhr. Denn wenn Maurizio Pollini kommt, verrückt er die Maßstäbe, ist Hochspannung angesagt, der Glanz unerhörter Virtuosität und Meisterschaft. Aber leider auch einer Perfektion, über die sich durchaus streiten lässt.

Zunächst, worüber sich nicht streiten lässt: Pollini ist auch ein Virtuose der Programme. Dass er Schönbergs 3 Klavierstücke op. 3 und 6 Kleine Klavierstücke op. 19 mit Beethovens "Pathetique" und vor allem der Hammerklaviersonate op. 106 verbindet, zeugt von sublimer Kenntnis musikalischer Strukturen. Auch die Hingabe, mit welcher er sich dem nur scheinbar unentwirrbaren, nur scheinbar bizarren Tongeflecht Arnold Schönbergs widmet, ist, mit entsprechendem Ergebnis, von erhabener Tiefe. Pollini erzeugt nämlich genau jene schönbergische Geistigkeit und jenen Abstraktionsgrad, der so leicht verfehlt wird. Da waltet er am Steinway wie ein patriarchalischer Priester.

Doch dann zu Beethoven. Da kommt er fast im Laufschritt aus der Garderobe auf die Bühne, absolviert in aller Eile die Verbeugung und legt, kaum sitzt er, los. Aber nicht in heiligem Eifer, nein, er muss diese hinter sich bringen, um zum ganz großen Werk gelangen zu können. Und das tut der Pathetique nicht eben gut. Aber auch nicht dem opus 106. Und an ihr entzündet sich auch die eigentliche Streitfrage des Abends: Darf man diese Sonate, die eine der größten, gewaltigsten der Klavierliteratur ist, normalerweise etwa 50 Minuten benötigt, in diesem Tempo (40 Minuten) herunterrasseln, dass die Motiv-, Variationenund erst recht die Fugenstrukturen dem menschlichen Ohr entgehen müssen? Der Einwand, Beethoven habe diese unerhört schnelle Metronomzahl verordnet, ist in der Musikwissenschaft aus verschiedenen Gründen umstritten. Nicht wenige Pianisten würden diese Tempi ebenfalls beherrschen, Brendel etwa, aber er würde sich hüten. Aus gutem Grund soll man eben nicht alles tun, was man kann.

Neben wissenschaftlichen Einwänden aber ist die Tatsache, dass die große Fuge am Ende schlicht in Raserei untergeht, die ausschlaggebende, weil schmerzliche. Während Pollini, dessen virtuose Fähigkeit ja kein Mensch in Frage stellt, im langsamen Satz so wunderbar zeigt, in welchem Maße er poetisch-heilige Stimmung zu erzeugen imstande ist.

Dass der große Meister sich nach einem fundamentalen Ereignis wie der Hammerklaviersonate zu zwei Bagatell-Zugaben bereitfand, das erschütterte nachgerade. Wie aber schafft es dieser Künstler, dass ihm dennoch eine solche Woge glutvoller Verehrung entgegenschlägt? Dass Konzerte mit ihm dennoch immer mehr sind als musikalische Events? Weil er, der musikalische Charismatiker, sie in heilige Handlungen verwandelt.

28.06.05
Von Sophia Willems
 
 
Fotogalerie
Für die Kölschrocker von Brings läuft der Endspurt in der Karnevalssession - die WZ hat die Musiker eine Nacht lang auf ihrer Tour durch Säle und Hallen begleitet.  mehr...
Fotogalerie
Bushido kann nicht nur rappen und Biographien schreiben, sondern offenbar auch schauspielern: "Zeiten ändern dich" heißt das Drama, das Bernd Eichinger gemeinsam mit dem Musiker verwirklicht hat.  mehr...
Fotogalerie
Am 7. März werden die Oscars im Kodak Theatre in Los Angeles vergeben.  mehr...
Fotogalerie
Der Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf ist die alle Jahre wiederkehrende Ausstellung der Studierenden einer der bedeutendsten Kunsthochschulen der Welt.  mehr...
Fotogalerie
Bei den NRJ Music Awards, der ersten großen Pop-Preisverleihung des Jahres, gab es reichlich Reizwäsche und noch mehr Haut zu sehen.  mehr...
Fotogalerie
Die Kunsthalle Tübingen zeigt vom 23. Januar bis zum 25. April 2010 eine Werkschau des kalifornischen Pop-Art-Künstlers Mel Ramos anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Pop-Art-Bewegung.  mehr...
Fotogalerie
Am 8. Januar wäre Elvis Presley 75 Jahre alt geworden, für seine Fans ein Grund zum Feiern: Die Legende lebt!  mehr...
Fotogalerie
Nach 15 Monaten und rund 100 Auftritten haben die Toten Hosen in Düsseldorf am Samstagabend den Abschluss ihrer bislang erfolgreichsten Tournee eingeläutet.  mehr...
Fotogalerie
Vanessa (18) aus Nürnberg und Leo (20) aus Hinswil in der Schweiz sind die Gewinner der achten Popstarstaffel.  mehr...
Fotogalerie
Die Dino-Show "Im Reich der Giganten", hatte am Donnerstagabend in Berlin Premiere und wird von der kommenden Woche an durch Deutschland touren.  mehr...
Fotogalerie
Noch bis zum 14. Februar zeigt die Kunsthalle Nürnberg eine Ausstellung mit Fotos von Juergen Teller  mehr...
Fotogalerie
Zahlreiche Fachjournalisten, Produzenten und bekannte Musikgrößen sind sich einig: The Strokes haben mit ihrem Album "This Is It" die bisher beste Platte des Jahrzehnts hingelegt.  mehr...
Fotogalerie
Vor 40 Jahren lief in den USA die erste Folge der Kindersendung. Seit 1972 ist die Sesamstraße auch im deutschen Fernsehen zu sehen.  mehr...
Fotogalerie
Mit mehr als fünf Millionen verkauften Tonträgern gehören Tokio Hotel im deutschsprachigen Raum zu den erfolgreichsten Bands der vergangenen Jahre.  mehr...
Wuppertal. Hinter der Kulissen laufen die Verhandlungen darüber, wie und wo der Nachlass von Pina Bausch aufbewahrt wird, auf Hochtouren. Oberbürgermeister Peter Jung erklärte am Montag, dass es bereits Gespräche gegeben habe und weitere folgen werden. Er unterstrich erneut den Anspruch Wuppertals, das Erbe der verstorbenen Choreographin in...  mehr...
 
Düsseldorf. Mit ihrer hemmungslosen Gesellschaftskritik eroberte die gerade einmal 17-jährige Helene Hegemann die Literaturszene im Sturm. Für ihren Debütroman „Axolotl – Roadkill“ feierten sie die Medien als „Wunderkind der Pop-Literatur“, Kritiker überschütteten die Berlinerin mit Lob für einen innovativen und neuartigen Schreibstil – einen Stil, den es noch nicht gegeben...  mehr...