Seit gestern gibt es am EVK in Bilk eine bundesweit einmalige Klinik zur Behandlung von Arthritis.
Düsseldorf. Meist beginnt die Krankheit mit geschwollenen Gelenken, oft an Händen und Füßen, fast immer ohne wahrnehmbare Ursache oder einer vorausgegangenen Verletzung. Schnell wird der Schmerz bei rheumatoider Arthritis unerträglich, besonders nachts oder in den frühen Morgenstunden. Allein in der Region Düsseldorf leiden 10 000 bis 20 000 Menschen unter der Autoimmunerkrankung - die meisten sind Frauen.
Häufig beginnt für Arthritis-Patienten mit der Diagnose ein langer Leidensweg, der künftig weniger beschwerlich sein soll. Zumindest für die Versicherten der DAK und der Hamburg Münchener Krankenkasse, die gestern mit der Rheumatologischen Schwerpunktpraxis am EVK ein deutschlandweit einzigartiges Modellprojekt gestartet haben.
Gemeinsam will man die Versorgung der Patienten effizienter gestalten: Durch eine frühestmögliche Diagnostik und rechtzeitige Therapie soll erfolgreicher behandelt werden.
Denn genau daran hat es bisher gehapert. "Durchschnittlich vergehen 21 Monate, bis ein Patient vom Hausarzt zu einem Rheumatologen überwiesen wird", sagt Dr. Hans-Eckhard Langer von der Rheumatologischen Schwerpunktpraxis am EVK, "Tendenz steigend". Dabei seien besonders die ersten zwölf bis 16 Wochen nach Krankheitsbeginn entscheidend. "Anmeldefristen für neue Patienten liegen aber zwischen Wochen oder sogar mehreren Monaten", sagt Langer.
Mit dem neuen Modell soll sich das ändern. Integrative Versorgung nennt sich das Ganze ebenso sperrig wie modern. In Kürze meint das die Vernetzung von ambulanter und stationärer Behandlung sowie die Einbindung der Rehabilitation. Aber auch Patientenseminare spielen dabei eine Rolle. In Düsseldorf wird es dazu künftig das bundesweit erste Arthritis-Frühbehandlungszentrum am EVK geben.
Schon nach dem ersten Verdacht auf eine Erkrankung sollen Patienten einem Facharzt vorgestellt werden. Mehr als sieben bis 14 Tage sollen nicht mehr verstreichen. Express-Zugang oder "fast track" wird das genannt. Noch eine Besonderheit: "Der Hausarzt soll weder eine endgültige Diagnose stellen noch eine Therapie beginnen", sagt Langer.
Seine Aufgabe soll künftig das so genannte Vorscreening sein: Ein DIN A4-Bogen mit leicht zu beantwortenden Fragen reicht aus, damit ein Patient in die Früharthritis-Klinik überwiesen werden kann. Dort kümmern sich dann ausgewiesene Experten um die Menschen. Ein zweites Screening liefert die endgültige Diagnose. In Holland, Großbritannien oder Österreich gehört dieser Weg längst zum medizinischen Standard.
Standards, die dem Patienten zu Gute kommen. Denn nur, wenn die Krankheit schnell behandelt wird, besteht die Chance, dass sich der Zustand bessert. In Zahlen: Nach fünf Jahren sind mehr als 60 Prozent der Arthritis-Patienten krankheitsbedingt in Rente, im Schnitt sind sie dann nicht älter als 45 Jahre.
27.07.05Von Olaf Steinacker



