Vielseitig: Barbara Becker-Moraidis ist Theater- und Kunstpädagogin, Komponistin und Jazz-Sängerin. (Foto: Andreas Fischer)
Barbara Becker-Moraidis quittierte den Schuldienst, um sich ganz den Künsten zu widmen. Im Von der Heydt-Museum gibt die Pädagogin einen Ferienkurs für Kinder.
Wuppertal. Was auch immer sie präsentieren, die meisten Museen verbindet eine Gemeinsamkeit: In ihrem Innern herrscht überwiegend Stille. Das mag Erwachsene freuen, ist für den Nachwuchs aber langweilig. "Kinder wollen Dinge lebendig werden lassen und nicht bloß leise durch die Räume schleichen müssen", sagt Barbara Becker-Moraidis. Als examinierte Lehrerin weiß sie, wovon sie spricht. Folgerichtig werden in ihren Kinderferienkursen nicht nur Bilder betrachtet und besprochen, sondern spielerisch umgesetzt. "Es werden Accessoires gebastelt und Szenen erarbeitet, das Ziel soll eine kleine Performance sein."
Weil es im Von der Heydt-Museum "unglaublich viel Kunst anzusehen gibt, auf der Hüte abgebildet sind", hat sich die Theaterpädagogin in diesem Jahr für einen Sommerkurs unter dem Motto "Kopfbedeckungen" entschieden. "So ein Programm hätte ich als Kind gerne gehabt", erinnert sie sich und erzählt euphorisch, wie sie "Künste miteinander verbinden" will und wie unvoreingenommen Kinder an bildende Künste herantreten. Sie schwärmt regelrecht von dem kreativen Potenzial, das in ein paar Tagen intensiver Zusammenarbeit freigesetzt werden könne.
Schon immer interessiert sich die 40-Jährige für andere Menschen. Zeit ihres Lebens ist sie künstlerisch ambitioniert. Nach dem Abitur kombiniert sie beide Komponenten durch ein Musikstudium an der Folkwangschule und einem Biologie-Studium in Essen. Anschließend tritt sie in den Schuldienst ein und arbeitet als Studienrätin am Düsseldorfer Goethe-Gymnasium.
Weil das die quirlige Brünette allein nicht auslastet, lässt sie sich zur Jazz-Sängerin ausbilden, spielt Kabarett, komponiert Musicals und verfasst eigene Stücke. "Zu ,Marie und die Suche nach dem verlorenen Lächeln` haben mich meine diversen Nichten und Neffen inspiriert." Außerdem gründet sie in der Landeshauptstadt eine Theaterschule für Kids und Erwachsene, womit sie an eine gute alte Akademie-Tradition anknüpft, 2003 wird "Die Lust der Götter" im Theatermuseum uraufgeführt.
Dabei will sie sich auf keinen Fall für andere verbiegen. "Ich hatte Angebote für verschiedene CD-Aufnahmen, unter anderem für einen Techno-Remix", sagt sie rückblickend. Auch wenn das Techno-Angebot lukrativ ist, lehnt sie ab. Niveauvolle Unterhaltung ist ihr wichtiger, als sich für irgendetwas "verbraten" zu lassen. Entscheidungen zu treffen, fällt ihr nicht schwer. Nach acht Jahren am Gymnasium quittiert sie den Schuldienst. "Das war die bewusste Entscheidung für einen Neuanfang zum 40. Geburtstag."
Die bis dato letzte große Entschluss ist der Umzug aus Düsseldorf an die Wupper. "Der Liebe wegen." Für ihren griechischen Ehemann hat sie nicht nur die Koffer gepackt, von ihm inspiriert lernt sie jetzt auch Griechisch. Ihre vielen Autofahrten zu Terminen und Auftritten nutzt sie, um Lern-Kassetten zu hören. "Ich plappere einfach nach, lerne quasi phonetisch auswendig", erklärt sie ihre Methode. Für längere Unterhaltungen reicht es noch nicht, für kurze Sätze schon. Jedenfalls genug, um auch in Griechenland mit anderen ins Gespräch zu kommen. Andere Menschen interessieren sie eben.
Von Valeska von Dolega

