Erfolgreich, jung, schön, amerikanisch. Chris (l.) und Peter Ferraro sind ein Klischee. Und mehr als das. (Foto: Bernd Schaller)
Die Zwillinge aus den USA, Neuzugang der DEG, treffen mit ihren Schlägern direkt ins weibliche Fan-Herz.
Düsseldorf. Was ein waschechter Eishockey-Profi ist, muss Zahnlücken, tiefe Narben und den bösen Blick haben? Ganz falsch. Der Star auf dem Eis, dem die weibliche Düsseldorfer Fan-Welt in spätestens zwei Wochen unweigerlich verfallen sein wird, hat schwarzes Haar, nussbraune Augen mit dichten Wimpern, sanft geschwungene Lippen und allzeit ein sympathisches Lächeln auf dem Gesicht.
Und es gibt ihn bei den DEG Metro Stars sogar im Doppelpack: Der Verein hat die Zwillinge Chris und Peter Ferraro verpflichtet. Die italienisch-stämmigen US-Amerikaner sind Brecher auf dem Eis und der Traum jeder Frau auf Werbeplakaten hochrangiger Mode-Labels.
Auf den ersten Blick ist der zweifache Neuzugang der DEG das fleischgewordene Klischee vom sportlich-modischen Italo-Zwillingspaar: Starr zurückgegelte Haare, knackiger Hintern in Bluejeans, beide tragen brav ein rotes Poloshirt mit Emblem ihres Teams, darüber eine schwarze Jacke bei beiden der gleiche, leicht geöffnete Mund, während sie ihrem Gegenüber zuhören, das gleiche Blitzen in den Augen, wenn sie ein bekanntes Gesicht sehen.
Zwar ist der doppelte Ferraro mehr als ein geklonter Superstürmer. Chris ist eine Winzigkeit kleiner, Peter hat ein markanteres Gesicht und eine kleine Narbe auf der rechten Wange. Außerdem ist Chris immerhin eine Minute älter. "Und das lässt er mich ständig spüren", beklagt sich Peter mit einem Lachen. Dennoch gehören die Brüder ganz klar zusammen nur als Paket waren sie für Düsseldorf zu haben, wie sie auch bisher fast immer im gleichen Klub spielten.
"Wir haben eine einzigartige Beziehung", findet Chris. "Wir sind die allerbesten Freunde." Als seine Frau Jennifer vor drei Jahren an Magenkrebs starb, war der Bruder sein Halt. Nur wenige Wochen nach der Hochzeit 2001 war die Krankheit diagnostiziert worden. Peter half Chris, eine Stiftung für Krebskranke aufzubauen, in die nun ein großer Teil ihrer Einnahmen fließt.
Verrohte Puck-Prügler jedenfalls sind die Ferraros nicht. Der weibliche Laie möchte fast glauben, dass die beiden ohne Zögern nach einem zufälligen Zusammenprall anhalten und ihrem Gegner aufhelfen würden, um sich in aller Form zu entschuldigen die Eishockey-Kenner wissen es besser. "Wir nehmen den Sport sehr ernst, das Modeln machen wir in unserer Freizeit und nur, wenn der sportliche Leiter es erlaubt", erklärt Peter.
Dass die Nebentätigkeit ihnen schon in den USA besonders viele Groupies bescherte, ist den beiden indes nicht verborgen geblieben. "Es ist eine Ehre", erklärt Peter diplomatisch. Von der Saison in Düsseldorf erhofft er sich noch mehr: "Die deutschen Fans sind weltweit die besten." Und Bruder Chris ergänzt: "Sehr leidenschaftlich!"
Düsseldorf kennen die beiden schon von einem Freundschaftsspiel gegen Russland 1994 müssen ehrlicherweise aber zugeben, dass sie sich an mehr als die Eisfläche nicht erinnern. "Aber bisher gefällt uns die Stadt", versichert Peter hoffentlich hat er seine Hausaufgaben im Penalty-Schießen ebenso fleißig gemacht wie in Sachen Höflichkeit gegenüber der neuen Heimat.
Besonderes Bonbon für die beiden ist die Nähe zu Italien, aus dem die Ferraros stammen. "Wir waren noch nie dort und sprechen auch kein Italienisch", gibt Chris zu. Das soll sich nun ändern. Wie sich die "American Beauties" zwischen Burger, Pizza und Sauerbraten so machen, werden womöglich in der kommenden Saison einige zusätzliche Besucher im Stadion verfolgen ob der doppelten Wucht im Sturm oder der optischen Aufwertung des kalten Sports wegen: Dem Verein und den Ferraro-Brüdern kann`s egal sein.
16.08.05Von Juliane Kinast

