Jubel und Erleichterung das sind die Reaktionen auf die Entscheidung des Regionalrates gegen den Gladbacher Flughafen. Eine Siegesfeier wird geplant.
Willich. Gewonnen! Herbert Schäfer vom Bürgerverein gegen Fluglärm Stadt Willich bleibt fast die Stimme weg angesichts der Entscheidung des Regionalrates in Düsseldorf. Dort hat es am Donnerstagmorgen keine Mehrheit für die Änderung des Gebietsentwicklungsplans gegeben, die für den Ausbau des Flughafens Mönchengladbach nötig gewesen wäre.
Rund 200 Bürger, davon etwa 150 Gegner des Ausbaus, drängen sich zur Abstimmung in den Plenarsaal oder stehen draußen vor einem notdürftig installierten Fernseher.
"Ich hatte nachgezählt und war auf 22 Flughafengegner gekommen. Allerdings wusste ich nicht, wer überhaupt kommt und wer sich enthält", erzählt Schäfer. Außerdem hätten Mitglieder des Gremiums die Sitzung verlassen. "Hier, in der Kantine der Bezirksregierung, liegen sich die Flughafengegner bei eines Tasse Kaffee in den Armen", schildert er die Stimmungslage. Der Kampf seit 2001 sei mühsam, aber lohnend gewesen. Allerdings: Man habe nur ein Gefecht gewonnen, die Ausbaupläne seien noch nicht vom Tisch.
Das sieht Ulrich Mischke, Ratsherr der FDP aus Neersen und einer der "Koordinatoren" im Kampf gegen den Flughafen-Ausbau, optimistischer. "Wir werden bald eine Siegesfeier machen, vielleicht im Wahlefeldsaal", berichtet er. Vor der Abstimmung habe er ein solches Ergebnis nicht für möglich gehalten: "Gestern Abend habe ich auf einer Versammlung in Neersen noch gesagt, dass es kaum für eine Ablehnung reichen wird." Entscheidend sei die Stimmenthaltung einiger Regionalratsmitglieder gewesen.
"Für mich ist dies politisch der größte Erfolg", freut sich Mischke. Überparteilich und mit großem Bürgerengagement habe man viel erreicht. IHK-Geschäftsführer Dieter Porschen, der die gestrige Entscheidung "grauenvoll" nennt, empfiehlt er, sich einmal im Gewerbegebiet Münchheide umzuhören: "Dort braucht kein Mensch den Gladbacher Flughafen."
"Das ist ein Sieg für alle Willicher Bürger", pflichtet Bürgermeister Josef Heyes bei. Er habe dafür besonders den Bürgerinitiativen zu danken. Auch wenn das Planfeststellungsverfahren mit der gestrigen Entscheidung nicht vom Tisch sei, seien der Hürden für einen Flughafen-Ausbau nun ganz hoch geworden.
"Da kann ich nur sagen: Das ist der richtige Weg", jubelt auch sein Tönisvorster Amtskollege Albert Schwarz, als er die gute Nachricht von der WZ erfährt. "Wir haben immer gegen den Ausbau argumentiert. Zuletzt noch mit den Bürgermeistern von Kaarst, Willich und Korschenbroich gemeinsam." Er sei für Fortschritt, "aber nicht um jeden Preis." Auch persönlich freue er sich über diesen Erfolg der Flughafen-Gegner.
Eine "Sensation" ist das Abstimmungs-Ergebnis für Bernd-Dieter Röhrscheid, Fraktionschef der Willicher SPD. Gemeinsam mit seinem Kreis-Kollegen Lukas Siebenkotten hatte er sich bis zuletzt dafür eingesetzt, einige SPD-Mitglieder im Regionalrat auf die Seiten der Ausbau-Gegner zu ziehen. Zumindest in einem Fall sei das auch gelungen. Das Abstimmungsergebnis, so Röhrscheid, "ist ein K.-o.-Schlag für den Flughafen".
"Das hat Spaß gemacht", freut sich Ralf-Hasso Sagner, CDU-Mitglied aus Willich im Regionalrat, über die Überzeugungsarbeit der vergangenen Wochen. Allerdings sei das jetzt auch kein Anlass, überheblich zu werden: "Die Entscheidung war ganz knapp, man muss auch die Argumente der anderen Seite respektieren." Froh sei er darüber, dass einige seiner Kollegen gezielt vor der Abstimmung hinaus gegangen seien, denn nur so sei es zur Stimmengleichheit gekommen.
30.09.05Von Peter Korall und Werner Dohmen

