Thema heute: Tremor.
Wenn die Hand zittert oder der Kopf, dann ist der erste Gedanke: Parkinson. Denn die so genannte Schüttellähmung macht sich oft zuerst durch einen Tremor bemerkbar ein Zittern, das bei Bewegungen stärker werden kann, aber auch, wenn die Hand ganz ruhig im Schoß liegt. Oft ist die Angst vor der Diagnose Parkinson so groß, dass sich Betroffene monatelang nicht zum Arzt trauen. Meist ist das Zittern aber gar kein Parkinson.
Oft ist die Ursache ganz banal: zum Beispiel ein ungewohnt hoher Coffeinspiegel im Blut durch Kaffee, Tee oder Cola. Oder extreme Nervosität. Aber auch das Absetzten von Medikamenten, vor allem von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, kann zum Zittern führen. Und häufiger noch ein plötzlicher Alkoholentzug. Wer regelmäßig über den ganzen Tag verteilt trinkt, kann schon abhängig sein und bei plötzlicher Trinkpause zu zittern anfangen. Aber dabei bleibt es nicht: Ein unbeabsichtigter Alkoholentzug kann zu lebensgefährlichen Symptomen führen und sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Die häufigste Form des Zitterns dagegen völlig ungefährlich aber sehr behindernd ist der so genannte essentielle Tremor. Da die Medizin bisher keine Ursache kennt, wird er elegant mit „essentiell” (selbstständig) umschrieben. Typisch ist, dass vor allem Hände oder Kopf betroffen sind und dass er nicht in Ruhe (wie beim Parkinson), sondern beim Halten von Gegenständen, etwa einer Kaffeetasse, auftritt. Und dass er entweder schon in der Pubertät beginnt oder aber jenseits des 50. Lebensjahres. Wir wissen auch, dass er mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit vererbt wird.
Der essentielle Tremor ist peinlich, denn die Betroffenen sehen wie betrunken aus. Oft trinken sie dann wirklich, denn Alkohol vermindert die Symptome. Oft wird dieser Tremor auch fälschlicherweise als Parkinson diagnostiziert und jahrelang falsch behandelt.
Dabei kann man den essentiellen Tremor durchaus effektiv mit Medikamenten lindern, vorausgesetzt, die Diagnose stimmt. Und wenn nichts mehr geht, dann kann auch eine Hochfrequenzstimulation helfen. Vorausgesetzt, der Patient traut sich überhaupt zum Arzt trotz der peinlichen Zitterei.
Von Magnus Heier

